Unter www.kliniksterben.de betrauert im Internet ein Witzbold gesundheitlich angeschlagene und verstorbene Krankenhäuser. Patient Charité lautet der frischeste Eintrag.

Das Leiden der Berliner Universitätsklinik begann schon nach der Wiedervereinigung. Dann aber verschlechterte sich die Prognose. 2003 hatte der Berliner Senat der Charité die Zuschüsse bis zum Jahr 2010 um 98 Millionen Euro gekürzt. Außerdem tritt stufenweise ein Abrechnungssystem in Kraft, das nicht mehr die Liegedauer der Patienten in der Klinik bezahlt, sondern pauschal die Kosten pro Fall vergütet. Die Charité ist zu teuer. Die Verluste summieren sich absehbar auf 212 Millionen Euro bis zum Jahr 2010.

Also hat sich der Charité-Vorstand ein rigoroses Sparprogramm ausgedacht.

Unter anderem wurde mit ver.di ausgehandelt, dass in einer Notlage die Mitarbeiter weniger Geld erhalten dürfen. Was aber eine Notlage ist, sollte ein Gutachten klären. Der Gutachter stufte die Klinik als noch liquide ein, die Notlage wäre wohl erst im Jahr 2007 fällig. Die Charité wollte nicht an die Reserven gehen und ver.di ohne Not nicht klein beigeben. Wenn sich die Kontrahenten in den nächsten Wochen nicht einigen, will das Krankenhaus in den kommenden Jahren rund 1500 Mitarbeitern betriebsbedingt kündigen.

Ist die wissenschaftliche Qualität des hoch gelobten Krankenhauses der Supramaximalversorgung in Gefahr? Wir tun alles, damit das nicht passiert, sagt Detlev Ganten, Vorstandsvorsitzender der Charité, aber irgendwo geht es auch an die Substanz. Deshalb sollen in erster Linie Stellen in der Verwaltung gestrichen werden. Lenkt ver.di ein, wäre indes Zeit für weniger schwerwiegende Umstrukturierungen gewonnen - und Kündigungen umgehbar, sagt Ganten.

Berlin könnte als exotischer Fall abgetan werden. Die Kliniken in der Hauptstadt waren seit der Wiedervereinigung Problempatienten. Gleich zwei Universitätskrankenhäuser an einem Ort, überreichlich Betten: Das kostete viel Geld. Inzwischen aber hat sich einiges gebessert. Die beiden Universitätskliniken sind fusioniert, Betten abgebaut, die Kosten gesenkt.

Ein Strukturwandel könnte die klinische Forschung voranbringen. In dieser Hinsicht ist die Charité kein Exot. Hamburg hat gerade in der Uniklinik ein Herzzentrum gegründet und privatisiert - Gießen und Marburg haben ihre Universitätskliniken fusioniert und denken über Privatisierung nach. Die Frage bleibt, ob der Wandel auch positiv genutzt wird. Hannsjörg Seyberth, Chef der Pädiatrie in Marburg, ist skeptisch: Hier regieren die Betriebswirtschaftler. Ärzte kämen nicht mehr zum Forschen und Publizieren.