Künstlerbücher sind eigenartige Zwitterwesen. Sie sind viel zu schade, um sie in einen Bücherschrank zu stellen, doch an die Wand kann man sie auch nicht hängen. Es sei denn, man risse das Text-Bild-Gefüge auseinander, was nun aber gar nicht im Sinne der Erfinder sein kann. Denn Künstlerbücher haben ihren Reiz ja gerade in der Einheit aus Typografie und Malerei, Texten und Zeichen.

Kunstvoll vereint sich in diesen Büchern die Arbeit vieler, die von Künstlern und Autoren, Verlegern und Druckern. Und am Ende ist oft unklar, wohin die Gesamtkunstwerke eigentlich gehören: auf den Buch- oder auf den Kunstmarkt.

In jedem Fall aber haben sie eine aufmerksame Sammlerklientel - vor allem in Frankreich, den USA, England, Italien und nicht zuletzt auch Deutschland.

Nun ist es dem Hamburger Auktionshaus Hauswedell & Nolte gegen starke Konkurrenz in London gelungen, aus einer rheinischen Privatsammlung 18 Paradebeispiele von Mappenwerken und Malerbüchern des 20. Jahrhunderts am 28.

Mai aufzubieten. Zur Auktion am kommenden Samstag erscheint ein anregender Katalog in einer Auflage von mehr als 3600 Exemplaren. Die Liebhaberobjekte von Pablo Picasso, Wassily Kandinsky, Fernand Léger, Odilon Redon, Otto Dix sowie Jim Dine und Ronald B. Kitaj sollen insgesamt rund eine halbe Million Euro erbringen.

Genau 45 Jahre bin ich in diesem Mai im Geschäft, sagt Hausherr Ernst Nolte, nun geht zum vierten Mal der Bilderzyklus Der Krieg von Otto Dix mit den 50 Kaltnadelradierungen durch meine Hände. Der frühe Abzug mit der Nummer zwei von insgesamt 70 signierten und nummerierten Exemplaren wurde 1924 von der damals führenden Berliner Galerie Karl Nierendorf herausgegeben.

Entstanden ist die Blattfolge unter den grausamen Eindrücken von Otto Dix während seines Waffendienstes in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs.