Es ist kaum zu fassen, wie gut es der Bahn geht. Ihr Chef Hartmut Mehdorn hat es jetzt bei der Vorstellung ihrer Bilanz wieder beteuert. Die Deutsche Bahn AG macht einen (wenn auch nicht gigantischen) Gewinn - und das zum ersten Mal in der Nachkriegsgeschichte "aus eigener Kraft". Soll heißen: ohne Zuschüsse vom Staat. "Wir haben alle unsere selbst gesetzten Meilensteine erreicht", proklamiert Mehdorn. Er spricht von der Trendwende. Noch nie haben so viele Menschen die Bahn genutzt, die Zahl der gekauften BahnCards war noch nie so hoch wie heute. Pünktlichkeit und Service sind deutlich besser geworden. Der Verkauf von Billigtickets für nicht einmal fünfzig Euro im Supermarkt - eine tolle Werbeaktion, weitere werden folgen. Richtig, beim Güterverkehr gibt es ein paar Probleme. Aber nichts wird die Bahn auf dem gar nicht mehr langen Weg zur Börse aufhalten. Sagt Mehdorn.

Vorsicht, Mogelpackung! warnen andere. Natürlich bekommt die Bahn Geld vom Staat. Er subventioniert den Nahverkehr und finanziert zum größeren Teil Neubau und Unterhalt des Gleisnetzes. Macht zusammen rund zehn Milliarden Euro im Jahr. Ob das nun Subventionen im traditionellen Sinne sind oder nicht, darüber lässt sich streiten. Es sind Steuergelder, das steht fest. Und daraus schließt zum Beispiel der FDP-Abgeordnete Horst Friedrich, ein engagierter Verkehrspolitiker: "Das Ergebnis der Bahn ist und bleibt von Struktur und Höhe der staatlichen Bezuschussung abhängig, von ‚Gewinn aus eigener Kraft' kann keine Rede sein."

In seiner gewohnt schnoddrigen Art reagiert Mehdorn auf solche Einwände: "Man kann in jeder Suppe ein Haar finden, wenn man das will." Das ist als Antwort ein bisschen dürftig. Denn die Bahnbilanz hat schwache Stellen, die nicht zu übersehen sind. Der Fernverkehr ist ein Problem. Trotz gefragter Hochgeschwindigkeitsstrecken wie Frankfurt-Köln und Hamburg-Berlin , trotz attraktiver Bahncards ist der Fernverkehr defizitär.

Dazu kommt als Verlustquelle der Güterverkehr.  Die Bahn hat sich mit Schenker einen ertragreichen Logistikkonzern zugekauft, aber der verdient sein Geld überwiegend auf der Straße und in der Luft. Railion, die eigentliche Güterbahn, hat ihr Geschäftsergebnis verschlechtert und wird noch Jahre Verluste einfahren. Und unter solchen Voraussetzungen einen Teil der (bisher ausschließlich dem Bund gehörenden) Aktien der Deutschen Bahn AG an einen oder mehrere private Investoren zu verkaufen, kann kein gutes Geschäft werden.  Es sei denn, das Unternehmen rationalisiert um jeden Preis und legt auch unrentable Strecken still.

Also lieber warten, bis die Bahn ganz solide dasteht? Das wird die nächste Bundesregierung zu entscheiden haben, und die könnte Mehdorn einen Strich durch die Rechnung machen. Der gilt nämlich als enger Vertrauter des aktuellen Bundeskanzlers,  konnte sich auch in brenzligen Situationen immer auf dessen Unterstützung verlassen. Wenn nach der Bundestagswahl  eine schwarz-gelbe Regierung Verkehrspolitik macht, dann werden die Verkehrspolitiker aus der heutigen Opposition die Schwerpunkte verschieben und Mehdorns  Kopf fordern.

Der macht natürlich auf optimistisch und verspricht weitere Erfolge. Ob er denn keine Angst um seinen Job habe, wurde er auf der Bilanz-Pressekonferenz gefragt. Die Antwort war ein typischer Mehdorn-Spruch: "Wir kriegen das schon hin, ich bin guter Dinge."