Das Europa-Parlament hat mit einem Beschluss zu Lebensmittel-Angaben wie "leicht", "fettarm" oder "zuckerfrei" einen heftigen Streit ausgelöst. Die Abgeordneten stimmten am Donnerstag in Brüssel in erster Lesung einer Verordnung zu, die nährwert- und gesundheitsbezogene Aussagen über Essbares einheitlich regelt. Der Verband der europäischen Verbraucherschützer (BEUC) kritisierte den Text, weil er Hersteller nicht zur Angabe eines hohen Gehalts an Fett, Zucker oder Salz verpflichte."Das neue Europäische Parlament ist in seinem ersten großen Verbrauchertest gescheitert", sagte BEUC-Direktor Jim Murray in Brüssel. Die Verbraucherschützer setzten nun auf die EU-Kommission und die Mitgliedstaaten, um eine bessere Lösung zu erreichen. "Glauben zu machen, dass Chips mit Kalziumzusatz eine positive Auswirkung auf die Knochen haben, ist absolut irreführend", sagte die französische Grünen-Abgeordnete Marie Anne Isler Béguin. Der hohe Fettgehalt solcher Erzeugnisse sei Ursache überhöhter Cholesterinwerte. Parlamentarier von FDP und SPD lobten die Entscheidung hingegen: Statt einer aufwändigen Zulassung reiche eine einfache Anmeldung der Angaben auf Lebensmitteln, hob die SPD- Abgeordnete Dagmar Roth-Behrendt hervor.Bei der Verordnung über die Werbeangaben zu Lebensmitteln setzte eine Mehrheit der Abgeordneten durch, dass keine Pflicht zur Auszeichnung von Nährwertprofilen eingeführt wird. Die EU-Kommission und Vertreter des Gesundheitssektors missbilligten dies. Ihrer Ansicht nach sollte es den Lebensmittelherstellern nicht erlaubt sein, bestimmte Vorteile ihrer Produkte herauszustellen, ohne auch einen hohen Gehalt an Fett, Zucker oder Salz offen zu legen.Die Abgeordneten stimmten nach Parlamentsangaben außerdem für neue Vorschriften zum Zusatz von Vitaminen und Mineralstoffen in Lebensmitteln. Das Parlament unterstützte einen Kommissionsvorschlag, der eine Positivliste von mehr als 100 Vitamin-Kombinationen und Mineralstoffen enthält. Diese dürfen künftig in Lebensmittel gemischt werden, sollten aber entsprechend ausgezeichnet werden.Die Vitamin-Verordnung empfiehlt auch, dass Richtwerte für den täglichen Verbrauch bestimmter Mittel festgelegt werden. Außerdem soll eine Negativliste von Substanzen, die Lebensmitteln nicht zugesetzt werden dürfen, erstellt werden. Die Verordnung ist nach Angaben von Fachleuten für die überwiegend mittelständische und exportstarke Branche in Deutschland von großer Bedeutung. Sie soll wie die Vorschrift zu Angaben auf Lebensmitteln einen Wust von 25 einzelstaatlichen Regelungen vereinheitlichen.