Im Streit um sein Atomprogramm hat Iran eine Verlängerung der Aussetzung seines Programms zur Urananreicherung angekündigt. Dies erklärte der iranische Delegationssprecher Hussein Mussavian am Mittwochabend in Teheran, nachdem zuvor eine neue Verhandlungsrunde mit der Europäischen Union in Genf ergebnislos zu Ende gegangen war. Beide Seiten hatten sich dabei lediglich auf eine Fortsetzung der Gespräche Ende Juli oder Anfang August geeinigt. Bis dahin will die EU neue Vorschläge vorlegen.

Mussavian sagte der iranischen Nachrichtenagentur Mehr, die Führung in Teheran werde die Vorschläge prüfen. Bis dahin bleibe die seit mehreren Monaten andauernde vorläufige Aussetzung der Urananreicherung weiter in Kraft.

Vor dem Treffen hatte Iran angekündigt, es werde die Urananreicherung wieder aufnehmen, sollte es bei den Gesprächen kein klares Ergebnis geben. Das EU-Verhandlungstrio Deutschland, Großbritannien und Frankreich hatte seinerseits gedroht, im Fall eines Scheiterns der Verhandlungen werde es Iran vor den Weltsicherheitsrat bringen, der Sanktionen gegen das Land verhängen könnte.

Da am 17. Juni Präsidentenwahlen in Iran angesetzt sind, dürften die weiteren Verhandlungen bereits mit der neuen Regierung geführt werden. Als Favorit für die Nachfolge von Präsident Mohammed Chatami gilt der gemäßigte Kleriker und Ex-Staatschef Akbar Haschemi Rafsandschani.

Rafsandschani erklärte am Mittwoch in Teheran, die Verhandlungen seien schwierig und zäh, aber es wäre besser für Iran zu einer internationalen Übereinkunft zu gelangen, dass dem Land das Recht zustehe, die Atomkraft friedlich zu nutzen. Ein Vorschlag und möglicher Ausweg aus dem Konflikt ist, dass Russland die Urananreicherung für zivile Zwecke übernimmt.

Irans Chefunterhändler Hassan Ruhani äußerte sich in Genf zuvor zuversichtlich, dass es "in einem angemessen kurzen Zeitraum" zu einem Ergebnis kommen werde. Der scheidende Präsident Chatami bekräftige unterdessen in Teheran, sein Land halte an der geplanten teilweisen Wiederaufnahme der Urananreicherung fest. Die EU hatte das bislang kategorisch abgelehnt.

Der Westen verdächtigt Iran, mit der Urananreicherung den Bau von Atomwaffen anzustreben. Teheran hat das stets zurückgewiesen und betont, das Programm diene ausschließlich der zivilen Nutzung der Nuklearanergie.