Im US-Militärlager von Guantánamo Bay auf Kuba hat es nach Angaben des Pentagons insgesamt dreizehn Fälle von mutmaßlich unsachgemäßer Behandlung des Korans gegeben. Es gebe aber keinerlei glaubwürdige Beweise, dass ein Koran die Toilette heruntergespült worden sei, sagte der Leiter der Untersuchungskommission, General Jay Hood, am Donnerstag in Washington. Der Häftling, der diesen Vorwurf erhoben hatte, habe bei einer erneuten Befragung ausgesagt, dass er nie Augenzeuge einer Koranschändung gewesen sei.

In fünf der dreizehn Fälle könnte nach den Worten von Hood eine falsche Behandlung des Korans durch Soldaten oder Ermittler vorliegen. Der General wollte sich unter Hinweis auf die laufenden Ermittlungen nicht dazu äußern, was unter unsachgemäßer Behandlung zu verstehen sei. In weiteren sechs Fällen sei der Koran in Ausübung der Pflichten oder versehentlich berührt worden.

Nach Angaben des Generals sollen in fünfzehn Fällen auch muslimische Gefangene den Koran misshandelt haben. Ein Häftling habe beispielsweise Seiten herausgerissen. Nach den Worten von Hood respektieren die Vereinigten Staaten den Koran und den Glauben der Gefangenen. Der General kündigte außerdem an, dass die Vorschriften zur Behandlung des Korans überprüft würden.

Zuvor hatte die US-Bürgerrechtsbewegung ACLU mitgeteilt, dass Akten der US-Bundeskriminalpolizei FBI die Schändung des Korans belegen. Gefangene hätten sich demnach im Frühjahr 2002 über Misshandlungen und die Entweihung des Korans beschwert, berichtete ACLU in New York am Mittwoch (Ortszeit). Die Bürgerechtsbewegung hat eigenen Angaben zufolge die Dokumente, über deren Inhalt sie teilweise bereits in der vergangenen Woche berichtet hatte, auf Grund einer Gerichtsentscheidung zur Einsicht bekommen. Die meisten Unterlagen seien Verhörprotokolle des FBI.

Das Nachrichtenmagazin Newsweek hatte am 9. Mai unter Berufung auf einen nicht namentlich genannten US-Beamten berichtet, einer regierungsinternen Untersuchung zufolge hätten Aufseher im Gefangenenlager Guantanamo Ausgaben des Korans in Toiletten ausgelegt, in einem Fall sei sogar ein Exemplar im Klo hinuntergespült worden. Der Bericht löste in islamischen Ländern Massenproteste aus, in deren Verlauf mindestens 15 Menschen ums Leben kamen. Eine Woche nach Erscheinen zog Newsweek den Artikel zurück. Zur Begründung hieß es, der Informant sei sich seiner Sache nicht mehr sicher.