Bundeskanzler Gerhard Schröder setzt bei der kommenden Bundestagswahl auf einen Sieg der SPD. "Eines der ehernen Gesetze in Wahlkämpfen ist, dass man für die eigene Stärke streitet. Ich will, dass die SPD stärkste Partei wird", sagte Schröder in einem Gespräch mit der ZEIT . Die Neuwahl verstehe er als eine Volksabstimmung über die Zukunft der Politik, für die er stehe, und damit auch über die Zukunft der damit verbundenen Personen. "Aber klar ist, dass unsere Politik fortgesetzt wird, die Politik der Erneuerung unseres Landes, um die Sozialsysteme krisenfest und zukunftssicher zu machen, die Politik der Offenheit unseres Landes, die Politik des außenpolitischen Selbstbewusstseins. Für diese Politik stehe ich, inhaltlich und mit meinem Namen."

Schröder erwartet sich von einem sozialdemokratischen Sieg im Bund ein Ende der Blockadehaltung der christdemokratisch regierten Länder im Bundesrat. Weil die Zustimmung zu seiner Politik von verschiedenen Seiten bestritten werde, seien Neuwahlen die konsequente Antwort: "Ich stelle mich denen, um die es wirklich geht, nämlich dem Souverän."

Der Kanzler äußerte sich nicht zur Frage einer möglichen großen Koalition nach der Wahl. Er werde sein Kabinett in den nächsten vier Monaten nicht mehr umbilden. "Ich glaube, wir tun gut daran, eine sehr personalisierte Auseinandersetzung zu führen, die auf beide Spitzenleute zugeschnitten werden wird", sagte Schröder. Auf die Frage, ob er sich auf den Wahlkampf freue, sagte Schröder: "Ich freue mich immer auf diese Form der Auseinandersetzung. In politisch etwas zugespitzten Zeiten ist ja die Möglichkeit, sich vor unangenehmen Entscheidungen zu drücken, arg reduziert. Und das war ja bislang bedauerlicherweise ein Kennzeichen der gegenwärtigen Opposition und ihrer Führung."

Unterdessen rücken immer mehr Sozialdemokraten von den Grünen ab. "Es wird nicht um Rot-Grün gehen, sondern um die SPD", sagte der stellvertretende Parteivorsitzende und Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Kurt Beck, der Berliner Zeitung . "Wir werden nicht die Grünen-Positionen mitdenken." Der saarländische SPD-Vorsitzende Heiko Maas forderte ebenfalls eine stärkere Konzentration auf sozialdemokratische Themen. "Die SPD muss in diesem jetzt kurzen Wahlkampf ein sehr eigenständiges Profil haben", sagte Maas am Dienstag im ZDF.

Auch bei den Grünen wächst die Kritik am Koalitionspartner. Ihr Abgeordneter Werner Schulz sagte: "Wesentlich ist, dass nicht die Grünen Rot-Grün aufgeben, sondern dass die SPD dies einseitig aufgegeben hat." Für die Grünen bestehe die Gefahr, von den Wählern dafür mitverantwortlich gemacht zu werden.

Auch 2002 waren SPD und Grüne ohne Koalitionsaussage in den Bundestagswahlkampf gezogen. Im vergangenem Sommer hatten Schröder und Außenminister Joschka Fischer bei einer Kabinettsklausur in Neuhardenberg allerdings demonstrativ deutlich gemacht, dass sie 2006 gemeinsam für eine dritte rot-grüne Amtszeit antreten wollten. Fischer hatte dabei gesagt, dass es "keine neue Farbenlehre" geben werde. Der Kanzler will jetzt am 1. Juli die Vertrauenfrage stellen. Scheitert er - wie beabsichtigt - dabei, muss nach der Verfassung spätestens am 18. September die vorgezogene Bundestagswahl erfolgen.