"Es bestehe kein Grund zur Beunruhigung", sagte Barry Sneldon, Geschäftsführer von Sellafield anlässlich britischer Presseberichte, wonach sich in der unfallträchtigen Wiederaufarbeitungsanlage in Sellafield der schwerste Atomunfall seit mehr als zehn Jahren ereignet hatte. Durch ein Leck in einer defekten Leitung liefen über mehrere Monate hinweg unbemerkt rund 83.000 Liter hochradioaktiver Flüssigkeit aus. Das darin enthaltene strahlende Material, das aus deutschen Kernkraftwerken stammte, hätte für zwanzig Atombomben ausgereicht.

Für Mensch und Umwelt hätte aber zu keinem Zeitpunkt Gefahr bestanden, da das radioaktive Gemisch in einen Auffangbehälter geflossen sei, sagte der Geschäftsführer. "Die Anlage befindet sich in einem sicheren, ruhenden Zustand", betonte Sneldon.

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEO) in Wien hat den Vorfall dagegen als "ernst" beurteilt, was selten vorkommt. Gemäß der Behörde sei der Vorfall - auf einer Skala von 0 bis 7 – auf der Stufe 3 einzuordnen. Rang sieben ist für Katastrophen wie das Unglück von Tschernobyl vorgesehen. In den vergangenen zehn Jahren ist nur der Unfall im japanischen Tokinawa 1999 schlimmer bewertet worden.

Wie Indipendent on Sunday   berichtete, leckte das defekte Rohr wahrscheinlich schon seit August vergangenen Jahres, mindestens jedoch seit Januar. Trotz verschiedener Warnzeichen fiel das den Angestellten erst Mitte April auf - im britischen Wahlkampf. Deshalb verschwieg die Regierung das Ausmaß des Unfalls und der Schlamperei.

Das Rohr sei aufgrund eines Konstruktionsfehlers geplatzt, erläuterte Sneldon. Die Ingenieure hatten nicht bedacht, dass das Rohr zu einem Tank führt, der als Waage fungiert und sich je nach Füllmenge nach oben und unten bewegt. Deshalb war das Rohr besonderen Strapazen ausgesetzt.

Die britische Regierung erwägt nun, die vorläufig stillgelegte Wiederaufbereitungsanlage zu schließen. Die Reinigung eines abgedichteten Raums, in den das hochaktives Uran-Plutonium-Gemisch geflossen ist, gilt als äußerst schwierig. Voraussichtlich müssen dafür erst Spezialroboter gebaut werden.