Eine überwältigende Mehrheit der Deutschen rechnet mit einem Regierungswechsel, wenn im September gewählt wird. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa rechnen 83 Prozent der Menschen damit, dass Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) mit seinem bisherigen Kabinett nach einer Wahl im Herbst nicht mehr im Amt sein wird . Dennoch halten 78 Prozent der Befragten es für richtig, dass Schröder vorgezogene Neuwahlen herbeiführen will. Nur 13 Prozent sind gegen eine vorzeitige Auflösung des Bundestags.

Obwohl mehr als zwei Drittel der Befragten Neuwahlen für richtig halten, glauben nur 32 Prozent, dass der Kanzler in dieser Frage politisch aufrichtig ist. 61 Prozent halten Schröders Entschluss für taktisch motiviert. Insgesamt 59 Prozent glauben außerdem, die rot- grüne Bundesregierung sei nach der Wahlniederlage in Nordrhein- Westfalen am Ende, heißt es im Umfrageergebnis. Das Vertrauen in die Opposition ist deshalb aber nicht größer. Nur 34 Prozent trauen einer neuen Regierung aus Union und FDP mehr zu. Ebenfalls nur 34 Prozent sind der Meinung, dass die Union für eine vorgezogene Bundestagswahl gerüstet ist.

Forsa befragte an diesem Montag und Dienstag 1002 Bundesbürger.

Schon am Dienstag hatte die Meinungsforschungsinstitute Infratest dimap und die Forschungsgruppe Wahlen berichtet, CDU/CSU und FDP stiegen nach der gewonnenen Wahl in Nordrhein-Westfalen auch im übrigen Bundesgebiet in der Wählergunst . Rund 45 Prozent der Bürger sprachen sich demnach für eine schwarz-gelbe Koalition aus, ergaben Befragungen der Institute. Nur noch ein gutes Viertel der Bürger wünschte eine Fortsetzung der Koalition von SPD und Grünen im Bund.

Wären die Bundesbürger an diesem Sonntag zu einer Neuwahl des Bundestags aufgerufen, würden sich 46 Prozent für die Union entscheiden, ermittelte Infratest. Die SPD erreichte 30 Prozent. Die Grünen und die FDP würden auf 7 Prozent der Stimmen kommen. Die PDS zöge mit fünf Prozent als Fraktion in den Bundestag ein. Die Forschungsgruppe Wahlen ermittelte 50 Prozent Zustimmung für CDU und CSU. Die SPD kommt auf 29 Prozent, die Grünen 6 Prozent, die FDP erreicht 7 Prozent. Die PDS bleibt mit 4 Prozent unverändert.

Könnten die Bürger den Bundeskanzler direkt wählen, lägen Bundeskanzler Gerhard Schröder und seine wahrscheinliche Herausforderin, die CDU-Vorsitzende Angela Merkel, in der Wählergunst mit 45 und 44 Prozent praktisch gleichauf, folgt man Infratest. Bei der Forschungsgruppe Wahlen lag Schröder dagegen mit 42 Prozent vor Merkel mit 34. Hier votierten die Befragten mit großer Mehrheit gegen einen Wechsel von CSU-Chef Edmund Stoiber in ein Ministeramt in Berlin. 73 Prozent meinten, er solle Ministerpräsident in Bayern bleiben.