In schlechten Zeiten muss man sich auf seine alten Freundschaften besinnen. Vielleicht hat sich das auch der usbekische Präsident Islam Karimow gedacht, als er in China Verständnis und Unterstützung für seine politische Linie fand. Sein chinesischer Amtkollege Hu Jintao hieß den "alten Freund Chinas" in Peking willkommen und beide unterzeichneten gleich einen "Vertrag der freundschaftlichen Partnerschaft zwischen China und Usbekistan". Mit dem Abkommen soll die Kooperation der beiden Länder gestärkt werden und eine neue Dimension erhalten.

Während der chinesische Präsident die Bemühungen Usbekistans bei der Wiedervereinigung Chinas lobte, versprach Karimow, an der "Ein-China-Politik" festzuhalten. Beide Länder haben das Shanghaier Kooperationsabkommen unterzeichnet, das die Bekämpfung des Terrorismus zum Ziel hat.

Genau darum ging es auch Karimow: Er bat China um Unterstützung im "Kampf gegen den Terrorismus", denn die Eindämmung von "Separatismus und Extremismus" sei ein bedeutendes Ziel. Auch China hat ein besonderes Interesse an diesem Thema: In Chinas nordwestlicher Region Xinjiang-Uigur agiert eine nationalistische Gruppe, die verboten ist und Peking mit Separationsabsichten das Leben schwer macht. Beide Länder gehen sehr vehement gegen muslimischer Extremisten vor.

Wie die Situation in Usbekistan derzeit tatsächlich aussieht , lässt sich für Außenstehende nur erahnen. Seit dem 13. Mai ist das Interesse der Weltöffentlichkeit an dem zentralasiatischen Land und besonders der Stadt Andidschan gestiegen, doch scheinen die usbekischen Sicherheitskräfte kein gesteigertes Interesse an einer objektiven Berichterstattung zu haben.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) berichtet, das Augenzeugen der Unruhen, bei denen nach Regierungsangaben 160, unabhängigen Quellen zufolge jedoch bis zu 1.000 Menschen ums Leben gekommen waren, massiv eingeschüchtert werden. HRW beschreibt, dass Taxifahrer keine Fremden nach Andidschan fahren dürften und ein Netz von Informanten jeden auswärtigen Besucher Andidschans überwache, der Friedhöfe besucht oder Bewohner anspricht.

Den Berichten zufolge schüchtert die Polizei systematisch die Bewohner der Stadt ein und droht ihnen, falls sie mit Journalisten oder sonstigen Fremden sprechen. Dementsprechend sind viele Menschen vollkommen verängstigt und eingeschüchtert.

Während China das Nachbarland bei einem angestrebten WTO-Eintritt unterstützen will , haben die Nato, wie schon zuvor die Vereinten Nationen, die EU und die USA eine unabhängige Untersuchung der Ereignisse in Andidschan gefordert und das Vorgehen der Regierung scharf verurteilt.