Die Vereinigten Staaten widersetzen sich nicht länger Gesprächen zur Aufnahme des Iran in die Welthandelsorganisation (WTO). Die WTO- Mitgliedstaaten stimmten auf ihrer Generalversammlung in Genf solchen Verhandlungen am Donnerstag ohne Einspruch der USA zu, wie es in diplomatischen Kreisen hieß. Die 148 Mitglieder entscheiden immer im Einvernehmen.

Die USA haben sich seit 2001 vor allem wegen des iranischen Atomprogramms solchen Gesprächen entgegengestellt. Die Aufgabe dieser Position ist nach Ansicht von Diplomaten eine Reaktion auf die jüngsten Gespräche mit der Europäischen Union, die am Mittwoch in Genf bis Ende Juli oder Anfang August vertagt wurden. Dort hatte Teheran eine weitere Verlängerung seines vorläufigen Verzichts auf eine Urananreicherung zugesichert. Der Schritt der USA wird auch als Unterstützung für die EU-Position gewertet , die mit dem Iran Regeln für eine friedliche Nutzung der Atomenergie aushandeln will.

Im Verlauf des Donnerstags werden die WTO-Mitglieder auch den neuen Generalsekretär der Organisation bestimmen. Der ehemalige Handelskommissar der Europäischen Union, Pascal Lamy, wird diesen Posten übernehmen. Der 58 Jahre alte Franzose, der sich gegen drei Kandidaten aus Entwicklungs- und Schwellenländern durchgesetzt hatte, wird Nachfolger des Thailänders Supachai Panitchpakdi, der zur UN-Organisation Unctad wechselte.

Unterdessen beschloss die Europäische Union, den eskalierten Konflikt um Textil-Importe aus China vor die WTO zu bringen. Die EU-Kommission will im Rahmen der Handelsorganisation Eilverhandlungen mit China aufnehmen, damit die chinesischen Exporte reduziert werden.

Die EU verlangt von Peking ultimativ weniger Ausfuhren von T-Shirts und Leinengarn. Die Kommission will die Verhandlungen bis zum 31. Mai förmlich beantragen. Ab Verhandlungsbeginn kann Brüssel nach einer 15-tägigen Wartefrist Einfuhrbeschränkungen in diesen beiden Kategorien erlassen, falls Peking die Exporte nicht einschränkt. Ein Treffen von Handelskommissar Peter Mandelson und dem chinesischen Handelsbeauftragten Gao Hucheng hatte am Dienstagabend keine greifbaren Ergebnisse gebracht. China hatte schon erhöhte Ausfuhrzölle auf 74 Produktkategorien beschlossen.