Archäologie Freudenfest im SonnenhausSeite 2/2
Die Gefäße datieren in die Zeit zwischen 1200 und 1600, lange bevor die ersten französischen Siedler an den Mississippi kamen. Zwar ist bekannt, dass in dem Gebiet des Bayou St. John zwischen dem Mississippi und dem Lake Pontchartrain die Choctaw-Indianer beheimatet waren, doch konnte bislang keine ihrer Siedlungen im Stadtgebiet von New Orleans nachgewiesen werden.
1718 gründete Jean Baptiste La Moyne, Sieur de Bienville, die Stadt und legte ihre Straßen im für Neugründungen typischen Gittermuster an. Doch zunächst wollten nur wenige Menschen in die ungesunde Sumpflandschaft ziehen; das Straßengitter blieb zu großen Teilen leer. So auch das Grundstück an der Conti Street. Es diente einem Haus an der gegenüberliegenden Chartres Street als üppiger Garten. Erst als 1763 die Spanier kamen, entstand auf dem Gelände eine Residenz, die wahrscheinlich 1794 wieder abbrannte. Dem Gebäude folgte bald der erste Hotelbau. Das Grundbuch der Stadt nennt die Witwe Margaret Clark Chabaud als Käuferin für das Anwesen im Jahr 1796, sie betrieb dort bis 1809 eine respektable Pension.
New Orleans war inzwischen eine boomende Stadt – 1810 mit 10000 Einwohnern bereits die fünftgrößte der Vereinigten Staaten. Von den Fremden, die nach New Orleans reisten, stiegen wohl viele in dem Gebäude in der Conti Street ab, das die Witwe Chabaud und ihre Töchter mal als Kaffeehaus, mal als Hotel an verschiedene Betreiber vermieteten. Mit den Menschen kam die Sehnsucht nach Vergnügen. Das House of the Rising Sun bediente auch diese Nachfrage.
Nach dem Brand ersetzte ein Steinhaus die vorherige Holzkonstruktion – und das fragwürdige Etablissement. In der Folge operierte an der Stelle unter den Namen Richardson’s Hotel, Conti Hotel und Verandah Hotel wieder eine ehrwürdige Herberge. Sie wich einer Hemdenfabrik, später wurde eine Zuckerfabrik daraus. Und mit dem Siegeszug des Autos kam die Garage.
Jetzt stellt sich noch die Frage, was Bluejeans im Lied zu suchen haben
So schön und schlüssig die Geschichte des House of the Rising Sun bis hier auch klingen mag, man sollte sich doch noch einmal die weiteren Strophen des Liedes anhören. »My mother she’s a tailor«, heißt es da in Strophe vier, »she sold those new blue jeans.« Die gab es aber erst, als auf dem Grundstück an der Conti Street längst nicht mehr Prostitution, sondern Zuckerproduktion das Leben versüßte. Das Patent für diese neuen Hosen aus blauer Baumwolle mit den Metallnieten an reißgefährdeten Stellen wurde erst am 20. Mai 1873 an Levi Strauss und Jacob Davis erteilt.
Bleibt der Archäologie, nach anderen berühmten Häusern der Musikgeschichte zu forschen. »On a dark desert highway« harrt da noch das Hotel California seiner Entdeckung.
- Datum 02.06.2005 - 14:00 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle (c) DIE ZEIT 02.06.2005 Nr.23
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:






