Die Details machen den Unterschied. Der Balkon, der im vergangenen Jahr gebaut wurde, die renovierte Fassade, die neu eingesetzte Eingangstür. 187 Wohnungen gruppieren sich im Münchner Stadtteil Laim in einem Ensemble von acht Wohnblöcken um zwei begrünte Innenhöfe, und einige der 1930 gebauten Blöcke sind schmucker als die anderen. Die Wohnungen dort stehen zum Verkauf.

Insgesamt 64 000 Wohnungen, darunter jene in Laim, kaufte die Deutsche Annington Immobilien Gruppe (DAIG) im Jahr 2001 dem Bund ab. Rund 4,1 Milliarden Mark bezahlte die DAIG für die Wohnungen, die zuvor zum Bestand der so genannten Eisenbahnerwohnungen gehört hatten. Der Rest der insgesamt 114 000 Eisenbahnerwohnungen ging damals an ein Bieterkonsortium um die Beteiligungsgesellschaft WCM. Im Mai dieses Jahres nun hat die DAIG, an der früher die japanische Bank Nomura beteiligt war und die heute dem Finanzinvestor Terra Firma gehört, 150 000 Wohnungen des Energiekonzerns E.on übernommen. Damit stieg sie zu Deutschlands größtem Wohnungskonzern auf.

Groß sind jetzt die Sorgen vieler Mieter: Was will der neue Eigentümer? Was wird aus den Wohnungen? Anke Fuchs, Präsidentin des Deutschen Mieterbundes, kann das gut verstehen. Wohnungen sind auch Sozialgut. Geschätzte 506 000 Menschen schlafen, essen, lieben in den Wohnungen der DAIG - mehr Menschen als in Dresden, Leipzig oder Nürnberg leben. Wollen sie wissen, was sie vom unbekannten Käufer zu erwarten haben, müssen sie nach München schauen.

Eine Rendite von 18 Prozent für die Investoren

Dass die DAIG mit ihren Wohnungen Geld verdienen will, daraus hat sie nie einen Hehl gemacht - mindestens 18 Prozent pro Jahr auf das Kapital der Investoren habe sie versprochen, präzisiert ein Eingeweihter. Und die will die DAIG vor allem verdienen, indem sie möglichst viele Wohnungen veräußert.

Wir verkaufen erst die guten Bestände, die einen höheren Preis erzielen als der Durchschnitt, erklärt DAIG-Geschäftsführer Volker Riebel die Geschäftsstrategie. Jedes Jahr wählen die Düsseldorfer mehrere tausend Wohnungen aus dem Bestand für den Verkauf aus, bis heute 25 000.

Eine davon hat Goran Jokic gekauft. Im Mai 2004 hatte sich das Maklerbüro Patrizia Wohnungsprivatisierung bei seinen Eltern gemeldet, die im schmucken Teil der Laimer Siedlung wohnen. Vater Stevan arbeitete einst als Schlosser bei der Bahn. Heute bekommt der 65-Jährige eine Pension von rund 1100 Euro.