Diese Platte geht an die Substanz. Nicht weil die Musik darauf so erschütternd wäre, es sind die Restbestände an Rhetorik, die rausmüssen. Schon wieder wollen kostbare Originalzitate von Oscar Wilde hervorgezerrt, steile Analogien aufgestellt sein, um die Leute draußen bei Laune zu halten. In den Fachorganen für monatliche Musikvermittlung hat bereits ein Lobpreisen angehoben, als gelte es, dieses Ding mit letzter Kraft und ohne Rücksicht auf Verluste abzufeiern, an vorderster Front der Mobilmachung eine Schar längst ermüdeter Superlative. Der nächste Hype kommt bestimmt, und was bleibt dann noch?

Fragen, die sich für den Erreger, eine Band namens Maximo Park, natürlich nicht stellen. Hier geht es darum, das zu tun, was aufstrebende Popstars eben so tun: jung sein, drauflosspielen, gut ausschauen dabei. Wen schert die Zukunft, wenn man es geschafft hat, die sich widersprechenden Vektoren des Weltpopbetriebs in einem allgemein verständlichen Logo zu bündeln, sprich die Tendenz zum Steilen und also Maximalen mit dem eher flach verlaufenden Trend zum Themenpark zusammenzubringen? Das ist schon einmal die halbe Miete. Außerdem ist das Konzept gut: dandyeske Typen um einen charismatischen Sänger herum, die das Rad des Britpop noch einmal neu erfinden wollen und für ihr Debüt A Certain Trigger viele Platten aus den Achtzigern wieder gehört haben. Der Nachteil: Alle machen das zurzeit. Das Kind hat sogar schon einen Namen: The New Wave of New Wave. Das Problem der neuesten Popmusik ist nicht die Zukunft, es ist die Vergangenheit.

Die erregendste Erfahrung, die man mit Maximo Park machen kann, besteht darin, einer Band beim Kampf gegen die dunkle Seite der Macht zuzuschauen. Hier kommt eine Assoziation angeflogen, dort attackiert ein Zitat - an allen Fronten greift die Erkenntnis an, dass auch dies stark an jenes erinnert, dass Musik aus den Achtzigern eben doch am besten von Bands aus den Achtzigern gespielt wurde, und immer wieder stemmen sich der Sänger Paul Smith und seine Seitenmänner mit Spezialeffekten und Zaubergitarren dagegen. Ihre Wunderwaffe ist die Energie. Apply Some Pressure heißt einer der Titel, und das tun sie mit allen Mitteln: Druck hinzugeben, sich ins Zeug legen, das Volumen aufpumpen. Mehr kinetische Energie gab es in den gesamten Eighties nicht, wie hier in Minuten verpulvert wird, doch natürlich gelingt der Durchbruch nur für Nanosekunden, dann sammeln sich schon wieder die Reminiszenzen zum Gegenschlag. Gegen die Wiederkehr ist kein Kraut gewachsen, und am Ende ist dies im Kapitalismus der Sterne eine Frage des Fressens und Gefressenwerdens.

Claes Oldenburg hat Pop-Art einmal als all das beschrieben, "which can be eaten like a piece of pie". Maximo Park stehen am vorläufigen Ende einer Nahrungskette, die bis in die Sechziger zurückreicht. Damals wurden die Originale zum ersten Mal verschlungen und wieder ausgespuckt, inzwischen ist das große Fressen so weit fortgeschritten, dass nicht einmal klar ist, ob hier bloß tertiär oder schon multiepigonal recycelt wird. Einen Namen für dieses Stadium gibt es noch nicht, doch es ist weit fortgeschritten: Das Neueste frisst das Zweitjüngste, das sich an der Vergangenheit verschluckt hat. Wenn Pop die Kannibalisierung durch Pop meint, sind Maximo Park die Band des Sommers.

Maximo Park: A Certain Trigger
(Warp/Rough Trade WARPCD 130 12863)