In der vergangenen Woche feierte die Bundesrepublik eine Premiere. Sie verschuldete sich zum ersten Mal in ausländischer Währung. Genauer: in amerikanischen Dollar. 75 Jahre ist es her, dass Deutschland zuletzt am amerikanischen Markt um Kredit bat. 1930 platzierte das Deutsche Reich eine Anleihe über 300 Millionen Dollar im Zuge des so genannten Young-Planes, bei dem es unter anderem darum ging, die Reparationszahlungen aus dem Ersten Weltkrieg umzuschulden.

Die Young-Anleihe sollte die Geldnot des deutschen Finanzministers lindern. Sie war der Versuch, "eine Verschärfung der Zahlungsbedingungen für die Reparationen durch kurzfristigen finanziellen Spielraum zu versüßen", sagt Albrecht Ritschl, Wirtschaftshistoriker an der Berliner Humboldt-Universität. Der Versuch scheiterte. Bereits 1931 musste die Regierung einen Teil der Reparationszahlungen aufschieben, 1932 wurden gar keine Reparationen mehr geleistet. Und von 1933 an stellten die Nazis auch die Rückzahlung der sonstigen Auslandsschulden weitgehend ein. 1953 wurde auf einer Gläubigerkonferenz in London die Rückzahlung der Young-Anleihe bis zu einer deutschen Wiedervereinigung aufgeschoben. Erst 60 Jahre nach Platzierung der Young-Anleihe, also 1990, kam Deutschland seinen Verpflichtungen nach.

Der Finanzminister muss weniger Zinsen zahlen als geplant

Heute scheint der Kapitalmarkt die damals schlechte Zahlungsmoral der Deutschen vergessen zu haben. Die neue Dollar-Schuld hat sich als voller Erfolg entpuppt. Der Bund konnte das angepeilte Volumen wegen der überbordenden Nachfrage locker um zwei auf insgesamt fünf Milliarden Dollar aufstocken; gleichzeitig fiel der Zinsaufschlag gegenüber amerikanischen Staatsanleihen geringer aus, das heißt, der Finanzminister zahlt nun weniger Zinsen als geplant.

Kein anderer ausländischer Emittent bekommt derzeit im Dollar bessere Konditionen als der Bund, allen Haushaltslöchern und allen Warnungen vor der drohenden Staatspleite zum Trotz. Kein ausländischer Schuldner hat je eine so große Anleihe auf einen Schlag im amerikanischen Markt verkauft.

"Die Platzierung hat die Attraktivität und Bonität der Bundesrepublik klar unter Beweis gestellt", sagt Ralph Berlowitz von der Deutschen Bank. Gemeinsam mit den amerikanischen Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley hat die Deutsche Bank das prestigeträchtige Mandat erhalten, Dollar-Investoren für die Schuldenrepublik Deutschland zu begeistern.

Warum verschuldet sich der Bund gerade jetzt im Dollar? Sind die Euro-Investoren nicht mehr bereit, Schuldtitel des Bundes zu kaufen, sodass Finanzminister Hans Eichel auf ausländische Märkte ausweichen muss?

So jedenfalls erging es den Vereinigten Staaten Ende der siebziger Jahre. In der eigenen Währung fanden sich nicht mehr genug Käufer, weshalb Präsident Jimmy Carter zehn Milliarden Dollar Staatsschulden in anderen Währungen aufnehmen musste, unter anderem in D-Mark. Es war das erste und bislang letzte Mal, dass sich Amerika seit dem Zweiten Weltkrieg auf ausländischen Märkten Geld besorgt hat.