Nicht nur die Verfassung der EU wird derzeit heftig diskutiert, nun wurde auch noch die Währungsunion der Gemeinschaft in Frage gestellt. Zwei Minister der euroskeptischen Liga Nord in Italien hatten gegen den Euro geschossen und von einer parallelen Wiedereinführung der Lira gesprochen. Reformminister Roberto Calderoli hatte dabei eine Anbindung der Lira an den Dollar ins Spiel gebracht. Nach den zwei gescheiterten Verfassungsreferenden in Frankreich und den Niederlanden und den Äußerungen in Italien war der Euro gegenüber dem Dollar in der letzten Woche auf den niedrigsten Stand der vergangenen acht Monate gefallen. Die Überlegung stieß bei den Finanzministern der Euro-Gruppe jedoch auf keine Gegenliebe: "Der Euro ist die Währung aller", sagte der Vorsitzende der Ministerrunde, der luxemburgische Ressortchef und Premier Jean-Claude Juncker, am späten Montagabend nach knapp fünfstündigen Beratungen in Luxemburg. "Es ist keine Rede davon, sich vorzustellen, dass ein Land den Euroraum verlässt", sagte Juncker, der derzeit auch EU-Ratspräsident ist. Er machte deutlich, dass die Minister "solche Dummheiten" nicht diskutieren. Bundesfinanzminister Hans Eichel bestätigte im Vorfeld des Treffens ebenfalls, dass es keine Veranlassung zu solchen Überlegungen gäbe. Statt dessen war die Beurteilung des Internationalen Währungsfonds eines der zentralen Themen der Verhandlungen: Der Fonds sieht gute Chancen für einen Wirtschaftsaufschwung der Euro-Zone im zweiten Halbjahr, berichtete Juncker. Der IWF habe dabei deutlich gemacht, dass "er die Geldpolitik ein bisschen anders betrachtet als die (Europäische) Zentralbank". Im aktuellen Bericht des IWF heißt es, eine Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) könne bald angebracht sein. Die EZB hat sich bisher steigendem politischen Druck widersetzt und ließ den wichtigsten Leitzins bei 2,0 Prozent stabil. EU-Währungskommissar Joaquín Almunia lobte zudem ausdrücklich die Arbeitsmarkt-Reformen in Deutschland, bei denen bereits positive Ergebnisse zu erkennen seien. "Die Anstrengungen und die Strukturreformen der letzten Jahre haben Einfluss auf einen Teil der Wirtschaft." Die deutsche Wachstumsrate im ersten Quartal von 1 Prozent erkläre sich damit.Juncker und Almunia gingen jedoch nicht auf die angespannte Haushaltslage in Italien ein. Rom verletzte nach neuesten EU-Zahlen bereits seit 2003 mit überhöhten Defiziten den Euro-Stabilitätspakt. Almunia will im Laufe des Dienstags bei der Kommissionssitzung in Straßburg ein Strafverfahren gegen Italien auf den Weg bringen. Das Defizitverfahren gegen die Niederlande wird eingestellt, wie die Minister nach fünf Stunden Beratungen entschieden. Sie würdigten damit die haushaltspolitischen Anstrengungen der Regierung in Den Haag. Am Dienstag soll diese Entscheidung von allen 25 EU-Finanzministern formell getroffen werden, die diese ihre Tagung im Kreis aller Ressortchefs fortsetzen. Dabei soll auch einer angepassten Gestaltung der Euro-Münzen aufgrund der Erweiterung der EU zugestimmt werden.Die Minister waren sich einig, das es für die Krise, in der sich die EU derzeit befindet, wichtig sei, auf dem Juni-Gipfel eine Einigung über die Finanzen von 2007 bis 2013 zu erreichen. So könne man einem Vertrauensverlust bei den Investoren und Bürgern der EU entgegenwirken. Wichtig ist laut Alumni in diesem Zusammenhang ein zügiges Fortschreiten der Arbeiten an dem Stabilitätspakt und eine Einigung über Reformen einzelner Länder bis Jahresende.