Der Bundesverband Erneuerbare Energie, die Dachorganisation sämtlicher Lobbyvereine für grünen Strom, hat einen parlamentarischen Beirat. Allerdings keinen rot-grünen. Die Mehrheit in dem zwanzigköpfigen Gremium gehört schon heute jenen Parteien, die nach Lage der Dinge demnächst auch den Bundestag kontrollieren werden: der Union und den Freien Demokraten.

Für den Strom aus Sonne, Wind und Wasser ist das kein schlechtes Omen.

Zwar fielen, nachdem Bundeskanzler Gerhard Schröder Neuwahlen für den Herbst in Aussicht gestellt hatte, prompt die Aktienkurse jener Unternehmen, die mit der Ökoenergie Geschäfte machen. Zwar treibt auch die Funktionäre von Umweltverbänden die Sorge um, die goldenen Zeiten für Windmüller und Solarstromerzeuger könnten nach einem Regierungswechsel vorbei sein. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zum Beispiel, der noch vor kurzem den Entwurf des Klimaschutzprogramms von Umweltminister Jürgen Trittin gemeinsam mit Gleichgesinnten als "substanzlos" kritisiert hatte, warnte vor einem "ökologischen Roll-back", sollte Angela Merkel an die Macht gelangen.

Tatsächlich aber ist die Furcht vor der früheren Umweltministerin übertrieben. Natürlich wird eine unionsgeführte Bundesregierung manche Akzente neu setzen: Die Atomkraftwerke dürften länger als von Rot-Grün mit den Betreibern vereinbart am Netz bleiben. Der Salzstock in Gorleben ist wieder als atomares Endlager im Gespräch. "Das Erkundungs-Moratorium wird aufgehoben", kündigte Peter Paziorek, der umweltpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, an.

Doch vermutlich werde Merkel als Kanzlerin weder die einst von ihr als K.o.-Steuer beschimpfte Ökosteuer abschaffen noch das Fördersystem für grünen Strom, heißt es in den Reihen der Union.

Damit verflüchtigt sich aber auch die Hoffnung, eine unionsgeführte Bundesregierung werde die Bürger mit niedrigeren Energiepreisen beglücken.

Lokal- und Landespolitiker jeder Partei unterstützen die grüne Energie

Tatsächlich wäre Merkel, sollte sie im Herbst mächtigste Politikerin im Lande werden, Gefangene des von Rot-Grün vor fünf Jahren erschaffenen Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG). Die Paragrafen garantieren den Absatz grünen Stroms zu weit über Marktniveau liegenden Preisen von rund neun Cent pro Kilowattstunde. Dank dieser Förderregel sind überall in Deutschland kleine und mittlere Energieunternehmen entstanden, mit Tausenden von Jobs. Weshalb die grüne Energie inzwischen in vielen Lokal- und Landespolitikern, gleich welcher politischen Couleur, entschiedene Unterstützer findet. Zu ihnen zählen selbst hochrangige CDU-Politiker wie beispielsweise Peter Harry Carstensen, neuer Ministerpräsident von Schleswig-Holstein. Dort drehen sich bereits 2700 Windräder, und wenn es nach Carstensen geht, werden es wohl noch mehr werden. In seiner Regierungserklärung vergangene Woche versprach er, Schleswig-Holstein werde "der Motor der regenerativen Energien bleiben". Kein Wunder, dass ausgerechnet Fritz Vahrenholt, Sozialdemokrat und Vorstandsvorsitzender des Windanlagenbauers REpower Systems, die neue Landesregierung in Kiel ob ihres Pragmatismus in Sachen Wind lobt.