Erst 1998 wurde die Messe Hali in London gegründet, doch schon jetzt gilt sie als wichtigster Treffpunkt für den Handel mit antiken Teppichen, Textilien und neuerdings auch mit Stammeskunst. Vom 9. bis zum 19. Juni stellen im Stadtteil Hammersmith an die 80 Händler aus - neben acht europäischen Ländern sind auch China, Hongkong, Israel und Neuseeland dabei.

Sechs Händler kommen aus Deutschland.

Neu hinzugekommen ist die so genannte Design Zone, die manchem traditionellen Händler ein Dorn im Auge ist. Die Ausweitung der Messe in Richtung Design hält der Hamburger Hans Eitzenberger, der in Deutschland über die bedeutendsten antiken Lagerbestände verfügt, für falsch: Das kann man doch überall kaufen, meint er.

Für Detlef Maltzahn, Auktionator des Hauses Rippon Boswell & Co in Wiesbaden, kommt eine Teilnahme nicht infrage: Für ein Auktionshaus bringt das nichts, sagt er. Etwa zehn Tage vor dem Basar in London hatte er in Wiesbaden 206 ausgesuchte antike und alte Teppiche, Kelims, Flachgewebe und Textilien mit gutem Erfolg aufrufen können. 75 Prozent der Ware wurde verkauft, zum Teil an einen völlig neuen Kundenkreis in Frankreich. Die Internationalität des Marktes, so Maltzahn, lässt keine Trends und Vorlieben mehr erkennen. Da war es für ihn eine Überraschung, dass eine kleine ostpersische Belutsch-Tasche mit einem Hühnermuster für heiß umkämpfte 14 000 Euro ersteigert wurde, wo ihr Schätzpreis doch bei 3800 Euro lag.

Der Teppichhandel, so Detlef Maltzahn, habe sich in den letzten Jahren sehr gewandelt. Kaum jemand habe noch Muße, sich mit dem kunstvollen und komplexen Metier zu beschäftigen. Umso ernster müsse man den neuen Bereich Design nehmen, vor allem, was Qualität und Preise angehe. Muss man für ein antikes erstklassiges Stück etwa 50 000 Euro anlegen, geht es bei den modernen Teppichen bei 3000 Euro los, so Maltzahn.

Orientalische Muster scheinen neue Käuferschichten kaum noch zu begeistern, meint der Auktionator. Er weiß zu berichten, dass derzeit in Pakistan und der Türkei hervorragende Designer auf sich aufmerksam machen. Ihre Entwürfe werden von guten Handwerkern in Naturfarben und echter Wolle in erstaunlicher Qualität hergestellt. Und nicht zuletzt entdecken die zeitgenössischen Künstler das scheinbar altmodische Einrichtungsstück wieder. Geknüpfte Entwürfe von Albert Oehlen, Sarah Morris und Rosemarie Trockel verkaufen sich als Bilder für den Boden zunehmend gut.

Auf der Hali Fair vertreten unter anderem Händler aus den USA, der Türkei und Deutschland das zeitgenössische Segment. Jan Kath (Bochum) bringt einen an die grafischen Arbeiten von Josef Albers erinnernden Teppich aus tibetischer Hochlandwolle mit, der in seiner konzentrischen Streifenoptik von tiefem Blau in ein helles Rot changiert. Die jetzt offensichtlich wieder nachgefragten Schachbrettmuster, Streifen und Bordüren waren allerdings immer schon Gestaltungselemente antiker Kelims oder zeigten sie bei nomadisierenden Arabern der Kaschkai oder den Luren im südwestlichen Iran.