Manchmal nimmt sich dieser Film einfach eine Auszeit. Dann schaut er Wildenten beim Flug zu oder folgt dem Wellengang des Flusses. Es sind die lichten, fast meditativen Aufnahmen vom Baumkronen, Wolken und perlendem Wasser, die Jacob Estes' Regiedebüt etwas Grundsätzliches, wenn nicht gar Archaisches verleihen. Mean Creek ist ein Adoleszenzdrama um Rache, Mutproben und Außenseitertum. Eben eine dieser Jugendgeschichten, wie sie das Kino mit großer Beharrlichkeit immer wieder erzählt - und doch ein bisschen mehr. Bei ihrer Flussfahrt durch eine unberührte Natur sind Estes' junge Helden auf sich selbst zurückgeworfen, müssen vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben über Recht und Unrecht entscheiden. Halten sie sich an ihren Plan und rächen sich an dem übergewichtigen George für sein aggressives Verhalten in der Schule? Oder lassen sie Gnade walten? Aufmerksam schaut die Kamera den Gesichtern bei der Gewissensarbeit zu. Plötzlich empfindet die Clique Mitleid für den Dicken, der zum ersten Mal mit anderen Jugendlichen unterwegs ist, sich an den mitgebrachten Stullen freut und den anderen dann doch wieder mit dummen Sprüchen auf den Geist geht. Ein kleines Ruderboot, die Natur und eine Gruppe Jugendlicher reichen diesem streng gezirkelten Regiedebut, um von einer Gewalt zu erzählen, die sich, einmal in Gang gesetzt, nicht mehr kontrollieren lässt.