In der Not macht man das, was man am besten kann. Dieter Rampl gilt als begnadeter Verkäufer, der Vorstandssprecher der HypoVereinsbank ist ja auch im Kreditgeschäft groß geworden. Also verkauft der Bankchef jetzt seine Bank, zumindest hat er sie dem italienischen UniCredito schon vor einem Monat auf eine Weise angeboten – per Zeitungsinterview –, wie wohl selten zuvor ein Deal eingefädelt wurde. Seit Anfang dieser Woche verhandeln beide Institute ganz offiziell. Doch Rampl hat bereits mit dem Bekanntwerden der Gespräche etwas für ihn Wichtiges gewonnen: mehr Zeit.

Für die Verkaufsofferte gibt es zwei mögliche Erklärungen. Die erste: Die HypoVereinsbank, in den vergangenen Jahren von Milliardenverlusten gebeutelt, ist erstmals wieder profitabel – und weil das europaweit Aufkäufer lockt, betreibt der Vorstand die Übernahme durch den weit größeren UniCredito nun eben aktiv. Bei fast jeder Fusion wäre die HypoVereinsbank der Juniorpartner. Wenn man da den ersten Schritt unternimmt, verhandelt sich’s gleich besser.

Die zweite, bessere Erklärung: Dieter Rampl braucht wieder einmal Zeit. Die hatte er sich im vergangenen Jahr zunächst durch eine Kapitalerhöhung verschafft; dann berief er zwei neue Vorstände für die Problembereiche Privatkundengeschäft und Kreditsparte. Bis heute aber ist Rampl die Antwort schuldig geblieben, wie die Bank dauerhaft Geld verdienen will, welche Strategie sie künftig von der Konkurrenz abheben soll. Da machen sich Verkaufsverhandlungen gut, ganz nach dem Motto: Wenn ein potenzieller Käufer auf mich baut, muss mir der Kapitalmarkt doch ebenfalls trauen.

Tatsächlich ist die Bilanz der HypoVereinsbank eine Wette auf die deutsche Konjunktur. Erholt sich die Wirtschaft im Laufe des Jahres, ist die Bank über den Berg; läuft es schlecht, reißen Kreditausfälle die nächsten Löcher in die Bilanz des Geldhauses, das immer noch ein riesiges Kreditbuch führt. Das bedeutet: Dauern die Übernahmeverhandlungen länger, könnte Rampl sie im günstigen Fall wieder abbrechen und auf die neue Stärke seiner Bank verweisen. Im schlimmsten Fall aber hat er bereits jetzt den Partner gefunden, der die Bank dann rettet.

Aber welche Bank? Rampls Rechnung birgt auch zwei Unbekannte. UniCredito ist wohl nur am Osteuropageschäft der Münchner interessiert; gemeinsam wäre man dort das größte ausländische Institut. Ob die Italiener dafür bereit sind, sich die deutschen Risiken ins Haus zu holen? Und wie steht eigentlich Italiens Bankenaufsicht zu dem Deal? Bislang hat Notenbankchef Antonio Fazio alles versucht, um die italienischen Institute zu stärken. Ließe er es überhaupt zu, dass UniCredito auch den riskanten Teil der HypoVereinsbank übernimmt?

Die Verhandlungen laufen, Rampl hat wieder mal Zeit gewonnen. Der Preis dafür aber könnte diesmal zu hoch sein.