Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA zählt Phosphatlagerstätten zu den wichtigsten Reserven für Uran. Über neun Millionen Tonnen Natururan ruhen dort. Damit ließe sich der Bedarf aller laufenden Kernkraftwerke über hundert Jahre lang decken.

Der Grund für diese Vorkommen: Meerwasser enthält in Spuren Uran. Standen Phosphatlager einst mit Ozeanen in Kontakt, entzogen sie ihm das Schwermetall. Phosphat bindet sich derart stark an Schwermetalle, dass es sogar zur Dekontamination von uran- oder plutoniumbelasteten Böden eingesetzt wird.

Natururan ist schwach radioaktiv und vor allem giftig. Es lässt sich in speziellen Reaktoren direkt verfeuern. Aber meist wird es zuvor "angereichert": Sein Gehalt an der schnell radioaktiv zerfallenden Uransorte U 235 wird aufwändig erhöht. Im Brennstoff der meisten Reaktoren steckt fünfmal mehr U 235 als in Natururan, das nur 0,7 Prozent davon enthält. Verstärkte Radioaktivität erleichtert den Abbrand. Für militärische Zwecke wird Uran zu High Enriched Uranium (HEU) angereichert. Sein Gehalt an U 235 beträgt über 20 Prozent. Der brisante Brennstoff treibt Atom-U-Boote an und steckt extrem hoch angereichert (über 90 Prozent) in Atomwaffen.

Jahrzehntelang beanspruchte das Militär etwa die Hälfte der Welturanproduktion. Als das Wettrüsten gestoppt und ein Teil des Atomwaffenmaterials friedlichen Zwecken zugeführt wurde, gab es plötzlich reichlich HEU. "Megatonnen zu Megawatt" hieß die Maxime. Das HEU wurde "verdünnt" zu zivilem Brennstoff.

Die allseits begrüßte nukleare Abrüstung und die Ausstiegspläne etlicher Länder aus der Kernenergie hatten Nebenwirkungen. So halbierte sich von 1988 bis 1994 die globale Uranproduktion von 60000 auf 30000 Tonnen jährlich. Der Preis verfiel, nur die rentabelsten Minen überlebten. Weil nun aber die Extraktion des Urans bei der Düngemittelproduktion im Vergleich teurer war, wurden diese Anlagen in den USA oder in Belgien geschlossen. 1999 endete vorläufig die Ära der Uranextraktion aus Phosphaterzen.

Dies müsste logischerweise zum Anstieg des Urangehalts in deutschen Düngerimporten geführt haben. "Dafür gibt es keine Hinweise", sagt Dietrich Pradt, Geschäftsführer des Industrieverbandes Agrar. Allerdings würde der Urangehalt nur gelegentlich in Stichproben kontrolliert, hierfür gebe es keine Vorschrift. Die sehr geringen Uranmengen seien keine Gefahr, die meisten Pflanzen nähmen Uran kaum auf.

Broder Merkel, Geologe an der Technischen Universität Bergakademie Freiberg, bestätigt: "Uran dringt meist nur bis in die Wurzeln vor." Allerdings gibt es durchaus ein Problem, und zwar "bei Wurzelfrüchten, etwa Kartoffeln". Zumindest im Gebiet der ehemaligen DDR sieht Merkel eine Steigerung der Urangehalte im Phosphatdünger: "Früher kam ein großer Teil aus dem russischen Kola-Gebiet. Heute stammt er überwiegend aus sedimentären Lagern, etwa aus Marokko." Dünger aus Kola gilt als besonders rein, er enthält kaum Schwermetalle. Marokko hingegen besitzt laut IAEA mit Abstand die größten Uranreserven in seinen Phosphatlagern.

Für Ewald Schnug von der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) ist es "ein Unding, dass Uran in der Düngemittelverordnung nicht auftaucht". Die Radioaktivität sei nicht das Problem, sondern die Giftigkeit. "Eine übliche Mineraldüngung bringt jährlich etwa 10 bis 22 Gramm Uran auf den Hektar Acker", rechnet er vor. Da nur ein Bruchteil durch Erosion und Ernteprodukte wieder verschwinde, sei mit steigenden Uranmengen im Boden, in Oberflächengewässern und in der Nahrung zu rechnen. "Unsere Felder sind doch keine Schwermetalldeponien", wettert er. Und fordert gemeinsam mit Jürgen Hahn vom Umweltbundesamt "als Allermindestes eine Deklarationspflicht für Uran im Dünger".