Die Republik Nauru im Pazifischen Ozean ist der kleinste Inselstaat auf dem Globus. Lange Zeit verfügten seine Einwohner über das höchste Pro-Kopf-Einkommen der Welt. Heute steht Nauru vor dem Bankrott. Den vorübergehenden Reichtum verdankten die Insulaner dem hochwertigen Phosphat auf ihrer Insel, das hauptsächlich durch historische Ablagerungen von Seevogelkot (Guano) entstanden war und als Nauruit Weltruhm genoss.

Weit mehr als 40 Millionen Tonnen dieses Düngers wurden in alle Welt exportiert, nachdem im Jahr 1900 per Zufall entdeckt wurde, auf welchem Schatz die Nauruer saßen. Damals gehörte die bettelarme Insel als deutsches Protektorat zu den Marshallinseln und sollte die Vormachtstellung im Pazifik strategisch sichern. Im Ersten Weltkrieg besetzten die Australier Nauru und sicherten sich, unterstützt von Großbritannien und Neuseeland, die Abbaurechte am Phosphat. Die Einheimischen wurden mit lächerlichen Summen abgespeist.

Im Zweiten Weltkrieg bauten die Japaner einen Flugplatz auf Nauru und deportierten in den Kriegswirren viele Einheimische; es herrschte Hungersnot. Nach dem Krieg fiel die Insel wieder an Australien. Erst 1968 wurde Nauru offiziell unabhängig. Die junge Republik vereinnahmte 1970 die Britische Phosphatgesellschaft und verkaufte ihren wertvollen Rohstoff nun in eigener Regie. Jährlich wurden rund zwei Millionen Tonnen Phosphat ausgebaggert und exportiert. Die Insel verwandelte sich bis auf einen schmalen Küstenstreifen in eine unwirtliche, vegetationslose Mondlandschaft. Aber das Volk genoss ein Leben in Saus und Braus. Keiner musste arbeiten oder Steuern zahlen, die medizinische Behandlung war gratis, es wurde gefeiert und geprasst. "Jeder Nauruer hatte drei Autos für 30 Kilometer Straße und ein Motorboot", heißt es in der Internet-Enzyklopädie Wikipedia.

Fatale Folgen zeigten sich bald. Viele Insulaner wurden fett, in manchen Altersgruppen litt jeder Zweite an Diabetes. Medizinischen Weltruhm erreichte das Inselvolk 1997 durch einen Langzeitvertrag mit dem Internationalen Diabetesinstitut IDI. Es stellte sich dem IDI 20 Jahre lang zur Verfügung zwecks genetischer Untersuchungen. Laut Vertrag soll die Republik an wirtschaftlich verwertbaren Ergebnissen der Studie teilhaben.

Seit der Jahrtausendwende herrscht Katzenjammer auf Nauru. Die Phosphatlager sind erschöpft, die Geldanlagen des Staates entpuppten sich überwiegend als Pleiten. Heftige Fehden und häufige Regierungswechsel prägen die Politik. Versuche, als Steueroase reich zu werden, scheiterten am internationalen Widerstand, weil terrorismusverdächtige Geldwäscher die Szene eroberten. Zu einer Haupteinnahmequelle avancierte das Asylantenlager Nauru Detention Center. Es wurde 2001 errichtet, um hauptsächlich afghanische Flüchtlinge aufzunehmen. Diese hatten als Boatpeople international Schlagzeilen gemacht, weil ein norwegisches Schiff sie von einer sinkenden Fähre gerettet, Australien ihnen jedoch wochenlang die Einreise verweigert hatte. Schließlich schob Australien die Flüchtlinge gegen Bezahlung nach Nauru ab, wo sie interniert wurden. Inzwischen haben zwar die meisten Flüchtlinge Nauru wieder verlassen, aber das Lager existiert immer noch und dient teilweise auch als Knast für Schmuggler.

Australien unterstützt die marode Republik Nauru. Seinem ehemaligen Protektorat hat es 1993 wegen einer Klage vor dem Internationalen Gerichtshof 107 Millionen Dollar Reparationszahlungen zugesichert, als Wiedergutmachung für die Ausbeutung des Phosphats vor der Unabhängigkeit. Nach Einschätzung des australischen Außenministeriums ist die wirtschaftliche Zukunft Naurus düster. Das Inselvolk kann sich nicht selbst ernähren.

Nauru ist kein Einzelfall. So wurde beispielsweise auch die Insel Banaba durch Phosphatabbau zu einer Mondlandschaft degradiert. Sein Volk musste auswandern und beklagt nun sein Schicksal im Exil.

Auch vor der südamerikanischen Küste wurden viele Guano-Inseln ausgebeutet. Inzwischen gibt es bereits Versuche, mit künstlichen Inseln Seevögel anzulocken und ihren Mist als wertvollen Guano zu verkaufen. Ökologen hinterfragen allerdings den Sinn dieser neuen Phosphatquellen: "Wie viel wertvolles Fischeiweiß sollen die Seevögel denn fressen, bis die Biogärtner in den reichen Ländern genügend Vogelmist bekommen, um damit ihre Geranien zu züchten?"