"Zu viele - in Frankreich, den Niederlanden und darüber hinaus - sehen die europäische Integration eher als Problem denn als Lösung (...). Nachdem sie höflich auf das niederländische Ergebnis gewartet hat, muss die EU mit offenen Augen an das Problem heran, was jetzt zu tun ist. Es wäre falsch, die unmissverständliche, wenn auch starrköpfige Botschaft der beiden Volksabstimmungen zu ignorieren. Es wäre falsch, nochmals in den beiden Ländern abstimmen zu lassen. Es wäre auch witzlos, mit den geplanten Referenden in Dänemark, Polen, Irland und Tschechien wegen des Risikos eines Dominoeffekts mit noch größeren Neins weiterzumachen - trotz Appellen aus Deutschland und von einigen französischen Europhilen, die ängstlich darauf bedacht sind, den schädlichen Effekt ihres Votums abzuschwächen. Das gleiche gilt für ein Referendum in diesem Land."
Der Guardian aus London

"Die Zurückweisung der Verfassung in Frankreich und den Niederlanden bedeutet nicht die Zurückweisung des europäischen Projekts. Wenn 55 Prozent der Franzosen und 63 Prozent der Niederländer nicht in der Union sein wollten, hätten sie für die neue Verfassung gestimmt. Die Verfassung vermerkt zum ersten Mal die Bedingungen für einen Austritt aus der EU. (...)"

"Die Volksabstimmungen sind eine Niederlage der Verfassung, nicht Europas. Allgemeine Wahlen, die in beiden Ländern zwei Drittel der Wähler mobilisieren, sind ein großer Erfolg der Demokratie. Die Niederlage der Verfassung verursachten die Landespolitiker, die in der Regel eigene Probleme Entscheidungen aus Brüssel zuschreiben."
Die polnische Zeitung Rzeczpospolita

"Das überwältigende Nein des gestrigen niederländischen Referendums ist ein noch tödlicherer Schlag für die europäische Verfassung als die deutliche Zurückweisung des unter einem schlechten Stern stehenden Dokuments durch die Franzosen. Denn während die Franzosen mit ihrem "Non" lang aufgestaute Frustrationen über ihren Präsidenten, ihre Regierung und den Stand der Dinge in ihrem Land ausdrückten, haben sich die Niederländer voll und ganz gegen den Zustand der Europäischen Union gerichtet und sich angewidert abgewandt. Dieses Nein ist, deutlich mehr als das französische, eine Zurückweisung der Richtung, in die die Verfassung für die Europäische Union zeigt. Dies muss respektiert werden."
Die Times aus London

"Ist die neue EU-Verfassung schon tot oder kann sie noch weiterleben? Nach dem holländischen "Nee" sieht der derzeitige Entwurf jedenfalls noch älter aus. Auch wenn 25 Regierungen dem Vertrag längst zugestimmt hatten. Die Krise der europäischen Repräsentativ-Systeme ist voll sichtbar geworden. Da gibt es kein Zurück zu "business as usual" mehr. Alle, Politiker wie auch Journalisten, müssen erkennen, dass sie vor einer riesigen Nachholarbeit an Aufklärung stehen. Viel zu viele Wahrheiten, etwa, dass alles seinen Preis hat, sind verleugnet oder schön geredet worden. Nun rächen sich alle Versäumnisse auf einmal. Der Weg der vollendeten Tatsachen war ein Holzweg."
Die Wiener Zeitung Kurier

"Ende der europäischen Verfassung? Drei Tage nach dem französischen "Non" wartete Europa auf das holländische Referendum wie auf ein Urteil. Und es war ausgesprochen streng: bis zu 61,6 gegen die Verfassung, lediglich 38,4 Prozent dafür. Ein so schwaches Ergebnis für die Verfassung sahen bis zum letzten Tag nur die allerpessimistischsten Umfragen voraus. Die Holländer ließen daher nicht den geringsten Zweifel, was sie über die Verfassung denken. Sie wählten anders, als die Regierung, fast alle politischen Parteien und die Medien wollten. Das bedeutet, dass die Politiker keinesfalls das Ergebnis des Referendums ignorieren können, auch wenn das Parlament die letzte Entscheidung trifft."
Die polnische Zeitung Gazeta Wyborcza

"Die vernünftigste Weisung der letzten Tage kam von der britischen Regierung, die zu einer Periode des Nachdenkens und der Beratung aufrief. Die EU hört nicht auf zu funktionieren. Es gibt noch immer eine breite Grundlage für die europäische Zusammenarbeit. Aber die geplante Neuausrichtung der Führung in einer erweiterten Union muss eine bescheidenere Gestalt bekommen. Ohne die Fanfare einer Verfassung, ohne institutionelle Husarenstücke. Und in dem nüchternen Bewusstsein, dass ein föderales Europa am 29. Mai und am 1. Juni von der Tagesordnung gestrichen worden ist. Innerhalb von 72 Stunden hat sich das Szenarium in Europa verfinstert. Auf dem Kontinent macht sich eine Atmosphäre von Pessimismus breit. Die Wolken des Neins ließen einen kräftigen Schauer von Euro-Skeptizismus niedergehen. Die EU-Verfassung hat sich als anfälliger für Kritik erwiesen, als die Schöpfer geglaubt hatten. Aber man darf sich nichts vormachen. Einige Politiker tun so, als käme diese Entwicklung unverhofft. Dabei war das Nein der Niederländer und Franzosen absehbar. Es ist klar, dass es in der EU an Voraussicht gefehlt hat. Jetzt wäre es gut, wenn die Betreffenden den Mut fänden, sich zu ihrer Verantwortung zu bekennen."
Die niederländische Zeitung de Volkskrant