"Rauchen tötet!" Mit dieser Weisheit lässt sich kaum mehr ein Raucher ernsthaft verschrecken. Doch wie viele Raucher wissen schon, dass sie nicht nur ihre Gesundheit, sondern die grüne Lunge der Erde zerstören und etliche Kleinbauern in die Verschuldung treiben?

Schuld an dem Dilemma ist der Tabakanbau. Dabei scheint Tabak auf den ersten Blick eine sehr rentable Verdienstquelle zu sein: Die Erträge sind hoch, die Verkaufsbedingungen günstig. Doch die Nebenwirkungen werden – wie so oft beim Rauchen – gerne übersehen. "Rauchen schafft Wüsten", sagt der tansanische Journalist John Waluye. Seit Jahren kämpft er in seiner zerstörten Heimat gegen die Zigarettenindustrie.

In der Zeitung Daily News , für die Waluye arbeitet, kann er die Ergebnisse seiner Recherchen nicht publizieren; zu viel verdient das Blatt an der Reklame der Zigarettenkonzerne. Dafür präsentierte der Umweltjournalist seine Erkenntnisse auf dem internationalen Kongress McPlanet.com, den Attac, Greenpeace und der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) im Juni in Hamburg organisierten.

Vor fünfzig Jahren besaß Tansania noch doppelt so viel Wald wie heute. Gerodet wird nicht nur zur Gewinnung neuer Anbauflächen. Zum Trocknen der Tabakpflanzen benötigt man enorme Mengen Feuerholz. Um ein Kilo marktfähigen Tabak zu erzeugen, werden 150 Kilogramm Holz verkokelt. Pro Schachtel Zigaretten braucht man also 2,4 Kilogramm Holz. Ein Durchschnittsraucher verpafft alle drei Monate einen Tropenbaum.

Tabakpflanzen sind anspruchsvolle Pflanzen: Kaum eine andere Art entzieht dem Boden so viele Nährstoffe. Nach zwei Jahren sind die Ackerflächen derart ausgelaugt, dass sie jahrlang nicht mehr kultiviert werden können und ungenutzt brachliegen. Die Folge: Der Grundwasserspiegel sinkt, Dürren nehmen zu, Nahrungsmittel werden knapp. Malawi, das mit Hilfe von Weltbank-Krediten in den sechziger Jahren Tabakmonokulturen anlegte, muss deshalb heute Lebensmittel importieren.

Jedes Jahr werden 1,2 Millionen Hektar Wald für den blauen Dunst geopfert. Doch Tabakanbau hat nicht nur aus ökologischer Sicht verheerende Folgen. Denn die Tabakhändler nehmen in vielen Regionen der Dritten Welt eine Monopolstellung ein. Die Bauern sind gezwungen, Saatgut, Düngemittel und Arbeitsmaterialien über sie zu beziehen, während die Händler die Aufkaufpreise des Tabaks festlegen und Lastwagen verleihen, mit denen die Bauern Feuerholz aus immer entfernteren Gegenden herbeischaffen.

Auch die Ankaufpreise für den Tabak werden in der Regel festgelegt und sind nach Meinung der Bauern entschieden zu niedrig. Da die Kosten für Saatgut, Wasserpumpen und ähnliches gleich vom Erlös abgezogen werden, fällt das Ergebnis leicht unter die Produktionskosten. Die Bauern müssen Kredite aufnehmen - und auch hier fungieren die Konzerne als Banken und Schuldeneintreiber in einem.