Das Buch ist ein Coup. Der Frankfurter Anwalt Michel Friedman, mit einem Strafgeld von 17400 Euro wegen Kokainmissbrauchs belegt und anschließend zum Talkmaster in Rechtsfragen avanciert, der ehemalige stellvertretende Vorsitzende des Zentralrats der Juden Michel Friedman, der wegen des Gebrauchs ukrainischer Prostituierter als Gast des Evangelischen Kirchentags jüngst unerwünscht war, hat einen Roman über den Holocaust geschrieben. Es ist eine nur leicht verhüllte Autobiografie des Sohns polnischer Juden, Überlebende dank der Schindler-Liste, die versuchten, sich im Nachkriegsdeutschland einzurichten. Der Monolog eines Vaters am Bett seines schlafenden Sohnes, geschrieben von einem, der vor vier Monaten Vater geworden ist. Sehr schlecht geschrieben übrigens, im Stil von "Es ist der Blick der Liebe, der einen Menschen lebendig werden läßt". Eine Woge der Sentimentalitäten, in der Augen aufleuchten, vor Freude gerne geschrien wird, und wenn das Weinen kommt, dann bitterlich. "Jeder Mensch ist das Besondere", heißt es, man möchte sagen: Für Bücher trifft das nicht zu. Schlechte Bücher wie dieses braucht keiner. Oh. Darf man hierzulande das sagen? Spiegel und Welt haben vorsichtshalber Henryk M. Broder und Ralph Giordano, jüdische Rezensenten, bemüht. Die Filmrechte sind verkauft! Ja, schon ist man mitten in der typischen Friedman-Erregung!

Hätte Michel Friedman einem guten Verleger vorgeschlagen, ein Buch über den Holocaust zu schreiben, der hätte ihm abraten müssen. Der gute Geschmack verbietet es, den Anschein zu erwecken, den Holocaust für die eigene Show mobilisieren zu wollen. Hätte Friedman ein gutes Buch über den Holocaust geschrieben, man hätte konzediert: Der Mann ist ein anderer geworden. Tatsache ist, er ist sich treu geblieben. Und der Medienrummel gibt ihm Recht: Ein Zuviel an Worten und Emotion glitzert auf der Bühne besonders brillant. Ein Wunder nur, dass das Kind von Papas Gedröhne 150 Seiten lang nicht aufwacht, man könnte sagen: Der Kleine hat die Nerven, oder, wie Papa es formuliert: "Ach, mein kleines süßes Kind". Kneift die Augen feste zu und tut so, als träume er, die Haltung ist übrigens auch jedem Leser zu empfehlen.