Petra Herrmann bringt ihrem Arbeitgeber Millionen ein. Auf ihrem Schreibtisch in der Hamburger Niederlassung von Panasonic Europe liegt ein Buch mit orangefarbenem Einband - zahlreiche Zettel dokumentieren, dass es für seine Besitzerin von großem Nutzen ist. Es ist der Zollkodex der Europäischen Union mit den wichtigsten Kommentaren. Ich benutze die Ausgabe am liebsten, weil sie so handlich ist, sagt die Zollexpertin, die den Titel Manager European Customs Operation trägt. Der Band hat über 2000 eng bedruckte Seiten. Für gleiche Zölle in ganz Europa sorgt er nicht - für Importeure ist der einheitliche EU-Markt immer noch Fiktion.

Zwar schottet eine gemeinsame Außengrenze die EU gegen andere Länder ab, und der Zollkodex legt die Regeln fest, zu denen Importe diese Grenze passieren.

Doch die Bestimmungen gewähren jede Menge Spielraum, zumal 25 nationale Verwaltungen sie in 20 Sprachen lesen. Im Zolltarif gibt es viele tausend Positionen. Es ist schwierig, die Ware der richtigen Beschreibung zuzuordnen, sagt Hans-Michael Wolffgang. Er ist Vorsitzender des Europäischen Forums für Außenwirtschaft, Verbrauchssteuern und Zoll und lehrt an der Wilhelms-Universität in Münster. Welche Zölle tatsächlich fällig werden, ist von Land zu Land unterschiedlich - mit gravierenden Folgen für den Verbraucher.

Welches Land benutzen wir als Pforte, um Flachbildschirme nach Europa zu holen? Über welches EU-Mitglied importieren wir am günstigsten Camcorder? Wo finden wir mit Homecinema-Anlagen das preiswerteste Entree? Fragen, für deren Beantwortung die internationalen Konzerne das Fachwissen von Experten brauchen, wenn ihre Produkte nicht teurer sein sollen als die der Konkurrenz.

Rund 500 solche Spezialisten arbeiten für die Global Player in Deutschland.

In unserem Bereich schwanken die Zölle zwischen null und 14 Prozent, sagt die Panasonic-Managerin Herrmann. Klar, dass sich deshalb die Handelsströme verschieben.

Im vergangenen Jahr wurden massenhaft flache Bildschirme über Deutschland eingeführt. Man kann mit ihnen Videos sehen oder am Rechner arbeiten - Computertechnik und Unterhaltungselektronik wachsen zusammen. In Deutschland galten die Monitore als Computerzubehör. Dessen EU-Import ist zollfrei, weil die Einfuhr der zukunftsträchtigen Technologie nicht behindern werden soll.