Das Einfahren eines Neuwagens war früher ein absolutes Muss. Die Hersteller schrieben Höchstdrehzahlen für jeden einzelnen Gang vor, der Motor bekam ein spezielles Einfahröl, das nach 1000 Kilometern gewechselt werden musste – es enthielt dann eine Menge Metallpartikel, die beim Erstkontakt von Kolben und Zylindern abgehobelt worden waren.

Diese Zeiten sind passé. Heute ist ein neuer Wagen, auch wenn er nur ein paar Kilometer auf dem Werksgelände bewegt wurde, durchaus von der ersten Minute an belastbar. Das liegt daran, dass die Teile heute besser zueinander passen. Die Toleranzen der Oberflächen sind erheblich geringer. Außerdem hat die »Tribologie«, das ist die Lehre von der Reibung, in den letzten Jahrzehnten erheblich bessere Öle hervorgebracht, betont Edith Meißner von der Firma DaimlerChrysler. Ihr Kollege Harthmuth Hoffmann von Volkswagen stimmt dem grundsätzlich zu. Allerdings gelte auch heute noch: »Zylinder und Kolben müssen einander kennen lernen.«

Der Rat für Neuwagenbesitzer: Um lange Freude an ihrem Auto zu haben, sollten sie es auf den ersten 1000 Kilometern ruhig angehen lassen. Das heißt: den Wagen im mittleren Drehzahlbereich bewegen, auch bei schneller Beschleunigung das Gaspedal nur bis zu drei Viertel der maximalen Drehzahl treten. Ein ähnlicher Kennenlernprozess findet übrigens zwischen Bremsbelägen und Bremsscheiben statt, und auch die Reifen haben erst nach einigen Kilometern den optimalen Griff.

Eigentlich gilt das mit dem Einfahren sogar autolebenslänglich: Bei jeder Fahrt sollte man den Motor erst dann voll belasten, wenn er gut warmgelaufen ist. Christoph Drösser

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