DIE ZEIT: Im diesjährigen Champions-League-Finale hat der AC Mailand zur Halbzeit 3:0 gegen Liverpool geführt – und am Ende verloren. Kommt Ihnen die Situation bekannt vor?

Edmund Stoiber: Ja, ich kenne das aus eigener Erfahrung nicht nur im Fußball, sondern auch in der Politik. Politisch abgepfiffen wird am Wahltag um 18 Uhr und keine Minute vorher. Und wenn Sie auf das knappe Finish bei der letzten Bundestagswahl anspielen, dann heißt mein Grundsatz: Es lohnt nicht zurückzublicken – im Fußball genauso wenig wie in der Politik.

ZEIT: Auch diesmal liegen CDU und CSU in den Umfragen weit vorn…

Stoiber: Wir haben noch dreieinhalb Monate bis zur vermutlichen Bundestagswahl. Ein großer Teil der Wählerinnen und Wähler entscheidet sich immer kurzfristiger, viele erst in der letzten Woche vor der Wahl. Deshalb müssen wir hart und konzentriert arbeiten bis zum Schluss. Nach heutigem Maßstab haben wir eine ausgezeichnete Chance, die Wahl zu gewinnen.

ZEIT: Warum sollte es der Union denn diesmal besser ergehen als 2002?

Stoiber: Es gibt einen gravierenden Unterschied. Wir haben diesmal einen breiten Wechselwillen in der Bevölkerung. Das war vor drei Jahren noch anders.

ZEIT: Und die Union hat eine andere Kandidatin.