Sehr geehrte Justiz- und Innenminister des Bundes und der Länder, sehr geehrte Abgeordnete,

in unserem Land wird nicht zutreffend über Kriminalität informiert. Dazu einige Beispiele. Nach den Daten der Polizei stehen 666 Morden im Jahr 1993 352 Fälle im Jahr 2004 gegenüber. Der Autodiebstahl hat um fast drei Viertel abgenommen, Bankraub um 50 Prozent, der Wohnungseinbruch um 45 Prozent. Aber die Gewerkschaft der Polizei profiliert sich damit, nur die wenigen schlechten Nachrichten der polizeilichen Kriminalstatistik groß herauszustellen. Und die Innenminister beschränken sich bei ihren jährlichen Pressekonferenzen darauf, jeweils nur den Vergleich zum Vorjahr zu präsentieren. Auf diese Weise merkt niemand, was hier wirklich abläuft.

Wozu diese Irreführung der Öffentlichkeit? Plagt die Gewerkschaftsfunktionäre und Innenminister die Sorge, die Finanzminister könnten auf die Idee kommen, im großen Stil Planstellen der Polizei zu kürzen? Oder haben sie sich so an die Pose des Retters gegen das angeblich wachsende Böse gewöhnt, dass sie gar nicht mehr anders können, als diese Rolle zu spielen?

Zwei Konsequenzen dieses systematischen Ausblendens guter Nachrichten sind kürzlich durch eine Repräsentativbefragung deutlich geworden. Da die Medien sich in ihrer Berichterstattung über Kriminalität weitgehend an den Vorgaben von Politik und Polizeigewerkschaften orientieren, glaubt die Bevölkerung von allen oben genannten Straftaten, sie hätten in den letzten zehn Jahren stark zugenommen. Die extremste Fehleinschätzung gibt es im Fall des Sexualmords. Er hat seit 1993 von 32 auf 18 Fälle im Jahr 2004 abgenommen; die Bevölkerung glaubt jedoch, die Zahl der Fälle sei um das 3,6fache angestiegen. Und die große Mehrheit setzt derartige Ängste in die Forderung nach einer deutlich verschärften Strafpraxis um. Da kann es dann nicht überraschen, dass die Politik, populistisch, wie sie nun einmal ist, das Strafrecht seit 1992 bei 40 Straftatbeständen deutlich verschärft hat.

Aber warum sinkt die Kriminalität im Kernbereich der schweren Delikte? Fünf Antworten:

–Die Vergreisung des Landes fördert die innere Sicherheit: weniger (gefährliche) junge Männer, mehr (ungefährliche) Senioren, das wirkt sich aus.