DIE ZEIT: Wie lässt sich die Stimmung in Usbekistan nach der Niederschlagung des Aufstands im Fergana-Tal beschreiben?

Uchqun Nasarow: Die Unterdrückung ist heute noch ausgefeilter als in der Zeit der Sowjetunion. Das Volk hat Angst vor der Führung. Die Hoffnungen und die Euphorie nach der Unabhängigkeit 1991 haben sich umgekehrt in Armut, Gesetzlosigkeit, Totalitarismus, weil Leute an die Macht kamen, die das Land nicht verbessern, sondern ausrauben wollen.

Alo Hodschajew: Es wäre untertrieben, zu sagen, dass auch die Regierung Angst hat. Sie ist in großer Panik. Zum Beispiel wurden fast alle Straßen um den Präsidentenkomplex herum in den letzten Wochen zerstört. Sie wurden aufgerissen, mit Mutterboden zugeschüttet und Bäumen bepflanzt, sodass es im Ernstfall nur eine Straße gibt, die man schnell dichtmachen kann. Das ist die Reaktion auf den Umsturz im benachbarten Kyrgystan im März.

Z EIT: Usbekistan wird seit der Unabhängigkeit 1991 von Islam Karimow, dem ehemaligen Ersten Sekretär der Kommunistischen Partei Usbekistans, regiert. Wie stabil ist seine Position?

Hodschajew: Karimow hält die Macht fest in seinen Händen. Freiwillig wird er sie nie hergeben. Selbst wenn er formal zurücktreten sollte, könnte er mit seinem Machtapparat den Posten des Parlamentspräsidenten übernehmen und den aktuellen Premierminister Schawkat Mirsijajew als eine Art Marionette zum Präsidenten machen.

Nasarow: Es ist alles so festgefahren, dass, selbst wenn Karimow zurücktritt, jemand kommen kann, der genauso ein Demagoge, Betrüger und Hinterzieher von Staatsgeldern ist.

ZEIT: Wie wurde der Regierungssturz in Kyrgystan von den Usbeken wahrgenommen?