Gut möglich, dass der Welt des Journalismus am Dienstag ihr schönstes Geheimnis verloren ging. Deep Throat ist enttarnt. Oder besser: Die Stimme hat sich einem Reporter anvertraut, nach 30-jährigem Schweigen. So bekommt der große Unbekannte, der den Watergate-Skandal enthüllen half, indem er zwei Reportern der Washington Post in einer Tiefgarage Informationen zuflüsterte, einen Namen. Er heißt Mark Felt Jr. und war damals stellvertretender Chef der Bundespolizei FBI.

All jene, die in dieser Enthüllung einen neuen Skandal witterten, werden enttäuscht sein. Wie schaurig-schön wäre es gewesen, hätten sich Spekulationen bewahrheitet, nach denen ein Brutus den Lügen-Präsident Richard Nixon stürzen half. Henry Kissinger etwa oder der ältere George Bush. Aber nein, ein aufrechter Beamter scheint es gewesen zu sein. Im Nachhinein müsste man sagen: eine gute Quelle. Hut ab vor der Washington Post und ihren Reportern Bob Woodward und Carl Bernstein. Doch halt! Vielleicht hatten die beiden Enthüller nur Glück. Denn der Edelmann, der sie auf den Pfad der Wahrheit führte, war in Wirklichkeit so edel nicht. Mark Felt wurde 1980 verurteilt, weil er bei Ermittlungen Einbrüche und Diebstähle organisiert hatte.

Vielleicht ahnten Woodward und Bernstein so etwas, als sie später über ihre Quelle schrieben, ihr Benehmen habe nicht zu ihrer Position gepasst. Obwohl Deep Throat sich nun geoutet hat, hielt sich die Washington Post zunächst zurück. Auch Carl Bernstein bestätigte die Identität der Quelle ausdrücklich nicht. War vielleicht alles doch ganz anders? Ist Mark Felt womöglich ein Hochstapler? Ein paar Stunden lang kämpfte der Watergate-Skandal noch um sein letztes Geheimnis. Dann war der Kampf vorbei. Bob Woodwart bestätigte: Felt war Deep Throat.