Der frühere PDS-Chef Gregor Gysi tritt bei einer vorgezogenen Bundestagswahl als Spitzenkandidat seiner Partei an. Das erklärte er heute auf einer Pressekonferenz in Berlin. Nach längerem Zögern gab der 57-Jährige damit dem Druck seiner Partei nach. Er trete an, obwohl auch Gründe dagegen sprächen. Gysi hatte seine Entscheidung nach einer schweren Gehirnoperation im vergangenen November von einem Okay seiner Ärzte abhängig gemacht. Er werde sich dafür einsetzen, dass zur Bundestagswahl ein Linksbündnis antritt, so Gysi.Als Direktkandidaten wollen PDS-Chef Lothar Bisky, die Potsdamer Fraktionschefin Dagmar Enkelmann und die beiden Bundestagsabgeordneten Petra Pau und Gesine Lötzsch antreten. Wenn Gysi sich heute erkläre, müsse auch Ex-SPD-Chef Oskar Lafontaine signalisieren, was er wolle, sagte PDS-Wahlkampfleiter Bodo Ramelow der dpa . Die PDS hat mit der Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit (WASG) Gespräche über ein gemeinsames Linksbündnis aufgenommen. "Das Ziel ist, dass es eine Liste gibt, die das linke Spektrum in Deutschland abdeckt", sagte Ramelow. Lafontaine, der Anfang der Woche sein SPD-Parteibuch zurückgegeben hat, ist bereit, auf einer gemeinsamen Liste von PDS und WASG zu kandidieren. Doch eine erfolgreiche Verständigung der Parteien ist nicht abzusehen. Die WASG ist nicht bereit, bei der Bundestagswahl Kandidaten für offene Listen der PDS zu nominieren. WASG-Vorstandsmitglied Klaus Ernst sagte der Tageszeitung Die Welt : "Kandidaturen auf offenen Listen der PDS schließe ich aus." Im Bundesvorstand sei man sich in dieser Frage zu 99 Prozent einig. Die PDS sei zwar im Osten eine Volkspartei, werde aber von den Bürgern im Westen als nicht wählbar angesehen, begründete Ernst diese Haltung. Bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen hatte die WASG 2,2 Prozent der Stimmen, die PDS nur 0,9 Prozent erhalten. Die Wahlalternative besteht auf einer Parteineugründung beider Lager. Die PDS führt dagegen juristische und zeitliche Bedenken an.