Fast jeden Tag kommen neue Nachrichten aus dem Irak über Tote und Schwerverletzte, die Opfer terroristischer Anschläge und Gewalttaten werden. Während die Iraker ihr Leben trotz dieser alltäglichen, nervenzehrenden Gefahren meistern müssen und kaum noch wagen, einen Fuß vor die Tür zu setzen, stumpfen die Menschen in der westlichen Welt angesichts der Flut von immer neuen Todesmeldungen zunehmend ab. Nun gibt es eine Zahl, die das ganze Ausmaß der katastrophalen Sicherheitssituation, in der die irakischen Menschen leben müssen, verdeutlicht: 12.000 irakische Zivilisten sind in den vergangenen 18 Monaten durch die Gewalt von Terroristen ums Leben gekommen. Das bedeutet, dass an jedem Tag in den vergangenen anderthalb Jahren im Schnitt mehr als 20 Zivilisten um Leben kamen, wie der irakische Innenminister Bajan Dschabr nach Angaben der Washington Post am gestrigen Donnerstag bekannt gab. Mehr als 10.500 dieser Opfer seien nach Schätzungen der Behörden Schiiten gewesen, sagte Dschabr. Zudem sind tausende irakischer Sicherheitskräfte getötet worden, hierüber existieren allerdings keine offiziellen Zahlen. Auch die Gesamtzahl aller zivilen irakischen Opfer seit dem Start des Krieges ist nicht bekannt. Selbstmordanschläge sind zum wichtigsten Kampfmittel der Aufständischen im Irak geworden. Dabei nehmen die Attentäter vor allem irakische Polizeikräfte und Zivilisten ins Visier, weil sich die US- Truppen immer effektiver schützten. Seit Beginn der US-Invasion im März 2003 seien 1663 US-Militärangehörige ums Leben gekommen, berichtete die Washington Post unter Berufung auf das US-Verteidigungsministerium. Allein im April habe es 69 Selbstmordanschläge gegeben, mehr als in neun Monaten nach Übergabe der Souveränität Ende Juni 2004 zusammen. Am Donnerstag wurden bei einer neuen Anschlagsserie im Irak mindestens zwei Dutzend Menschen getötet und mehr als 60 verletzt. Eine Häufigkeit von Selbstmordanschlägen wie im Irak hat es noch nie gegeben: Im Irak würden inzwischen doppelt so viele Selbstmord- wie Autobombenanschläge verübt. Selbstmordanschläge nähmen auch zu, weil Herstellung und Bedienung von Sprenggürteln einfach seien und Angreifer vor der Explosion schwer identifiziert werden könnten.In der nordirakischen Stadt Tus Churmatu starben am Donnerstag 12 Menschen, als vor einem Restaurant eine Bombe explodierte. Dort hielt sich eine Gruppe von Sicherheitsbeamten des stellvertretenden irakischen Ministerpräsidenten, Rosch Nuri Schawis, auf, die auf der Fahrt in einem Autokonvoi nach Bagdad eine Pause eingelegt hatte. Unter den Toten waren 6 Leibwächter des kurdischen Politikers. Die Terrorgruppe um den Jordanier Abu Mussab al-Sarkawi bekannte sich im Internet zu der Tat, wie schon zu zahlreichen Anschlägen zuvor.Bei einem anderen Selbstmordanschlag wurde in Bakuba der stellvertretende Vorsitzende des Stadtrats, Hussein al-Tamimi, getötet, als er seine kranke Schwester ins Krankenhaus begleitete. Bei dem Anschlag starben auch vier von al-Tamimis Leibwächtern, seine Schwester wurde verletzt. Weitere Anschläge mit je einem Toten gab es im nordirakischen Kirkuk sowie südlich der Hauptstadt Bagdad.Der neuerliche Gewaltausbruch von Donnerstag zeigt, dass die irakische Militäroperation "Blitz" gegen die Rebellen bislang noch nicht den gewünschten Erfolg erbracht hat. Vor einer Woche waren irakische Sicherheitskräfte in einer groß angelegten Aktion gegen Stützpunkte der Terroristen vorgegangen, um das Leben in der irakischen Hauptstadt sicherer zu machen. Das irakische Verteidigungsministerium hat die Operation als Erfolg bezeichnet und erklärt, dass sämtliche Straßen in und um Bagdad herum, von der Regierung kontrolliert würden. Es wurden 680 Menschen festgenommen. Bis auf 95 waren später aber alle Inhaftierten aus Mangel an Beweisen wieder freigelassen worden.