Bundeskanzler Gerhard Schröder hat die SPD ermahnt, sich ab sofort auf den Wahlkampf zu konzentrieren . Innerparteilichen Streit sollen die Genossen dagegen unterlassen. "Es lohnt sich zu kämpfen", sagte der Kanzler am Montag vor dem SPD-Vorstand in Berlin. Schröder kündigte an, dass er in die kommende Auseinandersetzung mit CDU und CSU noch mehr Einsatz einbringen werde als bei der Bundestagswahl vor drei Jahren.

Schröder ließ keinen Zweifel daran, dass er wieder als Spitzenkandidat für die SPD antreten wird. Als "wildeste Spekulation" wies der Bundeskanzler Gerüchte über einen eventuellen vorherigen Rücktritt zurück. Er bat die SPD-Führung abermals um Verständnis, dass er erst am 1. Juli begründen werde, in welcher Form er die Vertrauensfrage stellen werde.

Auch der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering rief die Partei zu mehr Disziplin auf: "Die Stunde hat geschlagen. Jetzt ist Wahlkampf." Er zeigte sich verärgert über Äußerungen verschiedener SPD-Politiker vom Wochenende: "Wer Nachrufe auf die Regierung verfasst, sollte lieber den Mund halten", sagte er, ohne Namen zu nennen. Dies war aber offenbar vor allem an die Adresse von Sigmar Gabriel gerichtet, der der Sitzung ferngeblieben war.

Der niedersächsische SPD-Fraktionsvorsitzende hatte vor Parteifreunden in Hannover gesagt, er wolle im Herbst nach Berlin wechseln, um die SPD in der Opposition wieder mit aufzubauen. Müntefering fügte mit Blick auf solche und andere Äußerungen warnend hinzu, auch jetzt schon entscheide sich, wer nach der Bundestagswahl im September für ein Amt aufgestellt werde oder nicht.

Die SPD-Linke Andrea Nahles, die zuletzt das bisherige SPD-Wahlkampfkonzept in Frage gestellt hatte, äußerte sich in der Sitzung unzufrieden mit Schröders Vorgehen bei der Vertrauensfrage. Die SPD brauche eine "klarere Sprachregelung" als bisher, forderte sie. Ansonsten könne die Partei bis zum Juli nicht richtig motiviert kämpfen.

Am vergangenen Wochenende war in der SPD wieder Kritik am Vorgehen des Bundeskanzlers laut geworden. Verteidigungsminister Peter Struck sprach von einem "schweren handwerklichen Fehler", weil Schröder den Bundespräsidenten nicht rechtzeitig über seine Neuwahl-Pläne informiert habe . Offenbar von Vertrauten und ohne eigenes Zutun wurde der gerade abgewählte NRW-Ministerpräsident Peer Steinbrück schon als kommender Oppositionsführer in Berlin ins Gespräch gebracht.

SPD-Schatzmeisterin Inge Wettig-Danielmeier teilte im Vorstand mit, dass für den Wahlkampf insgesamt 25 Millionen Euro ausgegeben werden sollen. Dies sind fünf Millionen Euro weniger als 2002.