Mobilfunk Siemens zahlt für den Verkauf
Siemens heißt jetzt BenQ; jedenfalls, wenn es um Handys geht. Der Münchener Konzern trennt sich komplett vom Mobilfunkgeschäft - und zahlt auch noch dafür
Nach Monaten der Unsicherheit ist die Entscheidung offenbar gefallen: Siemens steigt aus dem Mobilfunkgeschäft aus. Der taiwanesische Konzern BenQ übernimmt die Handysparte des Elektronikkonzerns und mit ihr rund 6.000 Mitarbeiter. Dafür, dass die Taiwanesen die verlustreiche Sparte kaufen, dürfen sie fünf Jahre lang die Marke Siemens für ihre Geschäfte nutzen.
"Mit dieser Partnerschaft haben wir eine nachhaltige Perspektive für unser Mobiltelefongeschäft gefunden", sagte der Siemens-Vorstandsvorsitzende Klaus Kleinfeld am Dienstag in München.
Bis zum Schluss hatte Kleinfeld offenbar ebenfalls mit Motorola über eine Zusammenarbeit gesprochen.
Auch war lange spekuliert worden, dass Siemens über ein Gemeinschaftsunternehmen eine Zeit lang weiter im Mobilfunkgeschäft engagiert bleibt. Dies ist nun aber nicht der Fall. Die Trennung kostet Siemens 350 Millionen Euro vor Steuern.
Für den Gesamtkonzern ist die Handysparte nur eine vergleichsweise unbedeutende Einheit.
Allerdings galt sie als wichtig für die Imagebildung. Nun haben Verkäufer und Käufer nach Angaben Kleinfelds vereinbart, dass das Werk in Kamp-Lintfort erhalten bleiben soll. "Für uns war die Weiterführung des Standorts Kamp-Lintfort ein wichtiger Faktor bei der Entscheidung für einen Käufer", sagte Kleinfeld. Der Ergänzungstarifvertrag für das Werk gelte weiter.
Im vergangenen Jahr hatten sich die Beschäftigten auf längere Arbeitszeiten bei gleichem Lohn eingelassen.
Im Gegenzug sicherte Siemens zu, die Arbeitsplätze zwei Jahre lang bis zum Sommer 2006 erhalten zu wollen. Über diesen Vertrag hinaus gibt BenQ aber offenbar keinerlei Garantien für die mehr als 3.000 Arbeitsplätze in Deutschland. Neben Kamp-Lintfort mit gut 2.000 Beschäftigten ist davon vor allem der Standort in München betroffen.
Siemens hatte zuletzt mit den Handys täglich mehr als eine Million Euro Verlust gemacht. Der Weltmarktanteil brach dramatisch auf nur noch 5,5 Prozent ein. BenQ, eine Ausgliederung des Acer-Konzerns, ist eines der aufstrebenden Unternehmen auf dem Mobilfunkmarkt, hat aber für Deutschland und Europa noch keine ausformulierte Strategie erkennen lassen. Siemens ist für die Taiwanesen insofern interessant, als die Münchener in Europa und Südamerika noch vergleichsweise stark sind. "Durch die Akquisition sind wir unserem Ziel, zu den größten Anbietern im Markt aufzuschließen, ein erhebliches Stück näher gekommen", sagte BenQ-Chef Ky Lee. "Mit der Transaktion bekommen wir exzellente Mitarbeiter, etablierte Vertriebskanäle und eine hochkarätige Kundenbasis."
Siemens kommt der Befreiungsschlag noch einmal teuer zu stehen. Im Rahmen des Verkaufs bekommt Siemens kein Geld, sondern muss der Abspaltung noch Mittel mit auf den Weg geben. Um das Vertrauen in BenQ zu dokumentieren, übernimmt Siemens zudem für 50 Millionen Euro neue Aktien des taiwanesischen Unternehmens. Die beiden Konzerne wollen außerdem enge Geschäftsbeziehungen pflegen. BenQ sei künftig der bevorzugte Lieferant für Endprodukte in der mobilen Kommunikation, sagte Kleinfeld.
- Datum 28.09.2006 - 06:23 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Serie cvd
- Quelle (c) ZEIT.de, dpa, 7.6.2005
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:



