Das Geschäft mit Kraftwerksturbinen, medizinischen Diagnosegeräten und Automatisierungstechnik läuft beim Industriekoloss Siemens derzeit prächtig. Wegen des populären Produkts und der hohen Verluste richtete sich in den vergangenen Monaten aber fast die gesamte öffentliche Aufmerksamkeit auf das Handygeschäft , das zuletzt etwa 5 von 75 Milliarden Euro zum Umsatz des Konzerns beisteuerte.

"Unsere ganzen Erfolge wurden davon überschattet", sagte der neue Siemens-Vorstandsvorsitzende Klaus Kleinfeld am Dienstag. Nur gut vier Monate nach seinem Amtsantritt nimmt er daher nun eine Notoperation vor und trennt das Geschäft mit den Mobiltelefonen komplett ab . "Ich bin absolut erleichtert, wir haben viel daran gearbeitet."

Nach Einschätzung in der Branche macht der Verkauf der Sparte an den rasch wachsenden taiwanesischen BenQ-Konzern durchaus Sinn. Siemens habe im Geschäft mit Produkten für Privatkunden schon immer Schwierigkeiten gehabt. "Der Endkonsumentenmarkt ist einfach etwas anderes, als das Investitionsgütergeschäft, in dem sich Siemens sonst so tummelt", sagte der IG-Metall-Vizevorsitzende und Siemens-Aufsichtsrat Berthold Huber der Nachrichtenagentur dpa.

Auch Theo Kitz, Siemens-Spezialist beim Bankhaus Merck Finck, ist überzeugt: "Das sind einfach zwei ganz verschiedene Welten." Während zum Beispiel die Zyklen im Turbinengeschäft über längere Zeit absehbar seien, müsse beim Verkauf von Elektronikartikeln an den Endverbraucher intensiv Marktforschung betrieben und schnell auf Moden und neue Trends reagiert werden. "Der Konsumentenmarkt ist viel schwerer berechenbar." Siemens hatte bei den Handys zum Beispiel den Boom bei Foto- und Klapphandys verpasst.

Auch auf anderen Feldern war Siemens in der Vergangenheit mit ähnlichen Problemen konfrontiert worden. So brachte der Konzern beispielsweise das Geschäft mit Hausgeräten wie Waschmaschinen und Kühlschränken in ein Gemeinschaftsunternehmen mit Bosch ein. Die Computersparte ging in ein Joint Venture mit Fujitsu ein.

BenQ halten Fachleute ebenfalls für einen guten Partner. Die Taiwanesen haben in den vergangenen Monaten als Spätstarter auf dem Handymarkt gerade in Asien schnell aufgeholt. Sie verstehen sich als kundenorientierter Lifestyle-Konzern, worauf schon der Name hindeutet. Die Abkürzung BenQ steht für (we) bring enjoyment and quality (to life) (Wir bringen Genuss und Qualität ins Leben).