bildung Ansturm der AhnungslosenSeite 2/2

Wenn das Wissen der Abiturienten über ihr künftiges Studium dennoch zugenommen hat, ist dies, neben den Studienanfängern selbst, vor allem den Universitäten zuzuschreiben und dort Professoren wie Regina Harzer. Regelmäßig besucht die Bielefelder Rechtsphilosophin Gymnasien in der Region. In Leistungskursen informiert sie über ihr Fach und wirbt für ihre Hochschule. Zudem hält sie Vorlesungen an der Bielefelder Schülerakademie. 30 handverlesene Schüler kommen für ein langes Wochenende an die westfälische Hochschule. »Die Schüler denken noch nicht ans Examen, sondern stellen grundsätzliche Fragen nach Gerechtigkeit oder dem Sinn von bestimmten Gesetzen«, sagt Harzer. Die Akademie ist eine von vielen Aktivitäten, mit denen die Uni Bielefeld zeigen möchte, »wie schön Wissenschaft sein kann«, sagt die Referentin für Studium und Lehre, Andrea Frank. Zugleich will sie Studienanfänger vor Irrwegen schützen. »Viele Anfänger wissen nicht, wie mathematisiert die Wirtschaftswissenschaften heute sind oder wie viel Statistik im Psychologiestudium steckt.« Mittlerweile bieten viele Universitäten – unterstützt etwa von der Deutschen Telekom Stiftung und der Bosch Stiftung – ähnliche Orientierungshilfen. Sie organisieren Schnuppertage und Entscheidungs-Workshops für das richtige Fach, schicken Studenten in die Schulen, locken Schülerinnen am Girls’ Day in die naturwissenschaftlichen Fakultäten. Doch anders als in Bielefeld, wo ein Büro die Angebote abstimmt, laufen viele Initiativen unkoordiniert nebeneinander. »Da erhalten Schulen von der gleichen Uni mehrere Einladungen und wissen nicht, an wen sie die weitergeben sollen«, sagt Bettina Jorzik vom Stifterverband.

Außerdem erreichen die Informationen nur einen Teil der Schüler. »Unsere Veranstaltungen laufen immer dann gut, wenn die Schulen nicht klassenweise anrücken, sondern die Schüler freiwillig kommen«, sagt Andrea Frank aus Bielefeld. Doch das sind jene Studienanwärter, die eine Orientierung am wenigsten brauchen. Ohne eine stärkere Verantwortung der Schulen für die Zukunft ihrer Schüler profitieren von den Angeboten der Hochschulen nur die speziell interessierten, die besonders begabten oder mobilen Nachwuchsakademiker, die sich über das Internet und Ranking-Listen Fach und Hochschule gezielt aussuchen (ZEIT Nr. 21/05) . Die übrigen bleiben zu Hause, machen sich am Unischnuppertag ruhige Stunden auf dem Campus – und beginnen ihr Studium so ahnungslos wie Generationen vor ihnen.

 
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