Ein Mantra für die LebensfreudeSeite 3/3

Schwer gestörte Patienten sind mit dem Bewusstseinstraining überfordert

Ist die uralte Meditation das neue Wundermittel für Ausgeglichenheit, Zufriedenheit und Wohlbefinden? Wer dem US-Neuropsychologen Richard Davidson folgt, könnte fast diesen Schluss ziehen. Er erforschte die Hirnaktivität von buddhistischen Mönchen und von Firmenangehörigen nach einem Meditationstraining und sieht Hinweise dafür, dass Achtsamkeit und regelmäßiges Meditieren helfen, negative Gefühle besser zu verarbeiten. Noch lassen die geringen Fallzahlen seiner Studie und die Untersuchungsmethode einen solchen Schluss nicht zu. Obendrein fehlt noch eine unabhängige Bestätigung seiner Befunde.

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Könnte es künftig genügen, psychisch Kranke meditativ zu bilden und fernöstliche Übungen praktizieren zu lassen, damit sie negative Stimmungen beherrschen und glücklicher zu leben lernen? Der Bochumer Achtsamkeitsforscher Johannes Michalak widerspricht da entschieden: Akut erkrankte und schwer gestörte Patienten können damit deutlich überfordert sein. Meditationstechniken seien in solchen Fällen und im Kontext einer Psychotherapie zwar nicht ausgeschlossen, ihr Einsatz müsse sich aber an den Grenzen der Patienten orientieren. Denn Meditation erfordert Konzentrationsfähigkeit und Durchhaltevermögen. Yoga, Atemmeditation und Achtsamkeit allein könnten keine klassische Therapie ersetzen, seien aber eine sinnvolle Ergänzung etwa kognitiv-verhaltenstherapeutischer Ansätze, insbesondere zur Vorbeugung oder bei weniger schweren Fällen. Jeder Patient müsse selbst herausfinden, ob dieser Weg für ihn richtig sei, sagt Michalak.

Mit Psycho-Gurus, die ihren Anhängern die einzig wahre Lebensart verheißen, hat er nichts im Sinn. Er will ja die achtsamkeitsbasierte Therapie und ihre Wirkung wissenschaftlich prüfen.

Die Teilnehmer des Kurses verlassen den Raum. Ob ihm Achtsamkeit gegen einen Rückfall helfe oder nicht, sie verändere einfach seine Wahrnehmung, sagt einer: Man entdeckt die Welt neu.

 
Leser-Kommentare
  1. Es ist sowohl logisch, dass man in akut unruhigen Momenten schwer ruhig werden kann, als auch logisch, dass man akut unruhige Momente mit kontinuierlichem Training der Ruhe dämpft. Meditation wirkt auf die Selbst- und Neubestimmung in Form und Inhalt, Ziel und Weg zugleich wie ein Katalysator.Ich bin froh zu sehen, wie endlich die Kopfmenschen wieder zum Einklang zurückkehren und nicht mehr die Außenwelt, sondern sich selbst zu kontrollieren, damit der primäre, nämlich innere Zwang abnimmt.

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