kriminalität Polizei klärt mehr auf als jemals zuvor
Die Zahl der Kapitalverbrechen in Deutschland geht weiter zurück. Dennoch nimmt die Furcht der Bürger vor Verbrechen zu
Die Zahl der Kapitalverbrechen in Deutschland ist weiter rückläufig. Im Vergleich zu 1999 sind die Fallzahlen bei Mord und Totschlag um mehr als 13 Prozent gesunken, sagte Bundesinnenminister Otto Schily am Donnerstag in Berlin bei der Vorlage der jüngsten Kriminalstatistik. Auch beim Diebstahl gehen die Zahlen zurück. Überdurchschnittlich gesunken sind vor allem die Diebstähle von Kraftfahrzeugen und Fahrrädern. "Anlass zur Sorge" gibt hingegen der Anstieg bei der Jugendkriminalität, sagte Schily.
"Es hat noch nie eine höhere Aufklärungsquote gegeben", sagte der Minister. Man könne der Polizei von Bund und Ländern "sehr dankbar sein für ihre hervorragende Arbeit". Bei Mord und Totschlag liege die Aufklärungsquote bei fast hundert Prozent. "Wir haben bessere Möglichkeiten, auch technische Möglichkeiten."
Trotz guter Ergebnisse nimmt dennoch die Furcht der Deutschen vor der Kriminalität zu. Der Jurist Christian Pfeiffer macht in einem Beitrag für die ZEIT dafür eine Spirale aus privaten Medien, Bürgermeinung und der darauf hörenden Politik verantwortlich.
Die Zahl der Sexualmorde ist zwischen 1993 und 2003 um 37,5 Prozent zurückgegangen, die der Morde sogar um 40,8 Prozent, schreibt Bild der Wissenschaft unter Berufung auf die polizeiliche Kriminalstatistik. Die Zahl der Autodiebstähle sank gar um 70,5 Prozent. Nach Meinung der Bevölkerung dagegen habe die Zahl der Sexualmorde um 260 Prozent, die der Morde um 27 Prozent zugelegt.
Vier Entwicklungen seien für die Fehleinschätzung verantwortlich: Mit der Zulassung der Privatsender sei die Zahl der kriminalhaltigen Nachrichten und Sendungen drastisch angestiegen. Daraufhin habe sich die Bürgermeinung verfestigt, dass die Lage der inneren Sicherheit immer schlechter werde. Bei Jura-Studenten und Juristen sei der Gedanke an Resozialisierung verschwunden und die Abschreckung sei zum Sinn staatlichen Strafens erhoben worden. Den Trieb des Menschen nach Vergeltung befriedige die Politik durch schärfere Gesetze.
Dabei hätten Dutzende Untersuchungen nachgewiesen, dass härtere Strafen nicht von einer Untat abhalten. Nach einer Übersichtsstudie des Rechtswissenschaftlers Olaf Hohmann von der Berliner Humboldt Universität wirkt eine hohe Wahrscheinlichkeit, erwischt zu werden, viel abschreckender als das Strafmaß.
Besonders problematisch ist der Umgang mit Ausländern, warnt Pfeiffer. "Wenn ein Deutscher von einem Deutschen verprügelt wird, zeigt er das in zwanzig Prozent der Fälle an. Wird ein Deutscher von einem Ausländer geschlagen, meldet er das zu dreißig Prozent bei der Polizei." Auch Richter seien in diesem Sinne parteiisch. Deutsche Richter hätten bei deutschen Angeklagten im Strafmaß nur geringfügig, bei Ausländern aber massiv zugelegt.
Die Politik frage zudem nicht mehr "Was brauchen wir, um mehr Sicherheit zu haben?" sondern "Was brauchen wir, um die Kriminalitätsfurcht der Bevölkerung zu bekämpfen?". Die Zukunft des Landes liege jedoch nicht im Ausbau von Gefängnissen, sondern im Ausbau von Jungend- und Bildungseinrichtungen, die auch einen vorbeugenden Nebeneffekt haben, sagte Pfeiffer.
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- Quelle (c) dpa, 09.06.2005
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