WELTMEISTER Besser geht’s nicht?Seite 3/3

Die nächste Freundlichkeit ereignete sich erst vierzig Minuten später, als unser Tisch endlich eingedeckt wurde. In der Zwischenzeit erinnerte ich mich an all die Restaurants mit drei Sternen, wo der Service überaus aufmerksam war und der Gast geradezu bemuttert wurde, wenn er sich auf seinem teuren Stuhl niedergelassen hatte. Hier blieb nur zu registrieren: Wenn The Fat Duck das beste Restaurant der Welt ist, dann hat es den schlechtesten Service von allen. In Lokalen dieser Kategorie darf der Gast nicht über eine halbe Stunde lang ohne Brot und Wein am Tisch sitzen und möchte auch nicht von unverständlichen Dialektkünstlern angeredet werden.

Als die Vorstellung endlich begann – wir warteten auf das Degustationsmenü für 97 englische Pfund (nur tischweise zu bestellen) –, gab es zum Auftakt einen weißen Schaum aus grünem Tee aus der Spraydose, der mit Hilfe von flüssigem Stickstoff in einen halbfesten Bissen verwandelt wurde. Warum, weiß ich nicht. Grünen Tee trinke ich vorzugsweise heiß und aus einer Tasse. Der zweite Akt war ein Gelee von der Passionsfrucht in einer Austernschale – schon besser. Danach wurden zwei riesige Teller aufgetragen, in deren Mitte ein nur nussgroßes Klößchen in violetter Sauce lag, angeblich Speiseeis von Senf.

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Spätestens bei diesem Furz von Nichtigkeit wurde das Leitmotiv dieser Küche deutlich. Es war die alte Nouvelle Cuisine. In einem speziell angefertigten Porzellan-Ei gab es nochmals Gelee und Creme sowie ein Foie-gras-Parfait.

Nach diesen Appetithappen ging es weiter: drei Schnecken auf Porridge, der petersiliengrün war und Jabugo-Schinken enthalten sollte, was aber nicht zu schmecken war. Geschmack hatten dann die beiden kleinen Würfel Foie gras in Begleitung eines Mandelgels. Die folgende Sardine war so groß wie ein Fingernagel und verschwand unerkannt in der Versenkung. Ihr folgte ein Stück Lachs in einem Überzug aus Lakritze, und das war nicht nur originell, sondern so delikat, dass ich mir davon ein größeres Stück gewünscht hätte. Das Gleiche dachte ich bei einem Stückchen fabelhaft gewürzter Taubenbrust.

Danach begann die Serie der süßen Sachen, welche ebenfalls unter ihrer Winzigkeit litten. Sie wurden ebenso bedeutungsschwer wie albern serviert. Unter anderem sollte man an einem winzigen Flakon riechen, nur riechen, um wahrscheinlich die Engel im Himmel singen zu hören. Das funktionierte aber ebenso wenig wie das Tütchen mit Müsli, dessen Inhalt man mit milchähnlicher Flüssigkeit übergießen musste.

Was meine Tischdame knurrend kommentierte: »Wollen die mich hier verarschen?« Und das im besten Restaurant der Welt.

The Fat Duck
High Street, Bray SL6 2AQ, Berkshire, Tel. 0044-1628/580333 www.fatduck.co.uk

 
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