Es hätte alles viel hoffnungsvoller sein können: Israels Premier und der palästinensische Präsident hätten sich bei ihrem ersten Wiedersehen seit dem Gipfel in Scharm el-Scheich vor vier Monaten über eine allseitige Waffenruhe freuen, sich gemeinsam auf den israelischen Abzug aus Gaza vorbereiten und anschliessende Friedensgespräche vorbereiten können. Doch weil der Nahe Osten in vieler Hinsicht der alte geblieben ist, liegen die Dinge anders.Der Islamische Dschihad, dessen Hintermänner in Teheran und Damaskus sitzen, hat in den letzten Tagen seinen Muskeln gezeigt und zwei Israelis ermordet. Die Terrorgruppe hat schon immer versucht, zuzuschlagen, wenn sich eine Annäherung im israelisch-palästinensischen Konflikt abzeichnete. Doch auch die Al Aksa Brigaden der Fatah-Bewegung haben am Montag eine 21jährige Palästinenserin auf eine – verfehlte – Selbstmordmission in ein israelisches Krankenhaus geschickt. Dass der palästinensische Geheimdienst von Israel über das geplante Attentat präzise Informationen erhalten hatte und dennoch nichts unternahm, musste sich Machmud Abbas von Ariel Scharon am Dienstag in einer Standpauke vorwerfen lassen. Mehr noch: Sollte der Terror weitergehen und vor allem der Abzug aus Gaza unter palästinensischem Feuerbeschuss stattfinden, drohte Scharon, werde die israelische Armee so harsch reagieren, dass jeder weitere Prozess erst einmal gestoppt wäre.Ernste Gesichter auch auf der anderen Seite: Machmud Abbas gab seine Schwäche offen zu, für Ordnung in seinen Reihen zu sorgen, und bat um israelische Hilfe, um sein gewaltfreies Programm auch durchsetzen zu können. Auch hier sind die Forderungen nur allzu bekannt: Keinen Siedlungsausbau, einen Mauerstopp, mehr Bewegungsfreiheit, die Freilassung von Gefangenen, die Übergabe palästinensischer Städte im Westjordanland an die Autonomiebehörde. Nur wenig davon stieß auf offene Ohren. Der ebenfalls anwesende palästinensische Ministerpräsident Ahmed Kurei klagte darüber, dass das Treffen die palästinensischen Erwartungen nicht erfüllt habe.Wohin führt der Weg also von hier? Wenigstens in ein paar Punkten sind sich beide Seiten dennoch näher gekommen sein. In den nächsten zwei Wochen sollen Bethlehem und Kalkilya der palästinensischen Polizei übergeben werden. Scharon soll auch versprochen haben, nach einer Testphase den internationalen Flughafen in Gaza wieder zu erlauben – vorausgesetzt, die Gewalt eskaliere nicht wieder. Und Abbas will alles tun, um die Gewalt zu kontrollieren.Viel ist das nicht, aber wer mehr erwartet hätte, würde sich in Illusionen wiegen. Dennoch haben beide Seiten ein gemeinsames Interesse daran, dass der israelische Abzug aus dem Gazastreifen im Sommer möglichst ruhig über die Bühne geht. Sollte das tatsächlich geschehen, wäre immerhin wieder eine neue Dynamik in den schwierigen Annäherungsprozess gekommen.