schule Lehrfach MayonnaiseSeite 3/3
Auch bei der Fortbildung der Lehrer mischen die Privaten zunehmend mit. Zu den aktivsten Schulpartnern gehört die Metro-Gruppe. Der internationale Handelsriese mit Sitz in Düsseldorf (Galeria Kaufhof, Real, Media Markt) unterhält bundesweit 48 Kooperationen mit Schulen. Wenn Metro zur jährlichen Lehrerfortbildung (»Meeting Metro«) lädt, kommen rund 600 Pädagogen. Auf den zweitägigen Veranstaltungen erfahren die Lehrer, welche Ausbildungsplätze der Handelskonzern für Schulabgänger bietet und welche Karrierechancen es bei Metro gibt. Und für den Unterricht stellt der Handelskonzern »Originalunterlagen aus dem Wirtschaftsbetrieb« bereit, wie Jürgen Homeyer, Sprecher des Düsseldorfer Konzerns, erklärt. Dabei handele es sich um »Geschäftsberichte, Unternehmenspräsentationen oder Filmmaterial«.
In Erdkunde wird mit Metro die »Handelsware Fisch« besprochen
Metro-Partner ist beispielsweise das Albert-Einstein-Gymnasium in Sankt Augustin nahe Bonn. In der ersten Fassung der »Kooperationsvereinbarung 2003« war für die Schüler der Jahrgangsstufe 9 ein »Inventurpraktikum« vorgesehen, als Teil des Fachs Gesellschaftswissenschaften. Die Inventur des Warenbestands, das Zählen von Handtüchern oder Fahrradhelmen im Lager, als Unterricht? Das war dem Gymnasium dann doch zu viel. Den Begriff Inventurpraktikum »haben wir rausgestrichen«, sagt Wolfgang Köhler, Lehrer für Erdkunde und Englisch am Albert-Einstein-Gymnasium. Das passe nicht zur Kooperation. Carsten Schülke vom Institut Unternehmen & Schule formuliert es heute so: »Wer als Schüler Lust hat«, könne sich beim Inventurpraktikum »etwas dazuverdienen«. Metro erklärt allerdings, dies gelte nur »in Einzelfällen«.
Andere Passagen aus dem Metro-Vertragsentwurf blieben am Sankt Augustiner Gymnasium hingegen unverändert. In Erdkunde geht es um die »Handelsware Fisch«. Im Fach Informatik steht »Elektronisches Preisauszeichnungssystem« auf dem Plan. Und im Englischunterricht darf Metro anhand einer Firmenbroschüre erklären, wie sich das Unternehmen »Nachhaltiges Wirtschaften/Sustainability in Trading« vorstellt. »Lehrer und Schüler sind kritisch genug, um sicherzustellen, dass es nicht zu einseitiger Beeinflussung kommt«, gibt sich Wolfgang Köhler überzeugt.
Auch die Bundeswehr hat die Schule als Rekrutierungsort neuer Mitarbeiter entdeckt. Die Europahauptschule Johann-Heinrich-Pestalozzi in Alsdorf bei Aachen kooperiert mit der Ausbildungswerkstatt des Heeres. Schulleiter Norbert Steffens begrüßt die Zusammenarbeit als »Erweiterung unseres Schulprofils«. Umgekehrt verpflichtet sich die Hauptschule in der Kooperationsvereinbarung, für die Ausbildungswerkstatt zu werben; beide Vertragspartner sichern sich »Gegenseitige Unterstützung bei der Öffentlichkeitsarbeit« zu. Schulleiter Steffens sieht darin kein Problem. Er mache ja nicht Werbung für die Bundeswehr, sondern allenfalls für die Ausbildungswerkstatt, sagt der Pädagoge.
Für Gewerkschafterin Demmer hingegen verletzt diese Abmachung »die Neutralitätspflicht der Schule«. Schließlich garantiere das Grundgesetz »die Verweigerung des Wehrdienstes aus Gewissensgründen«, betont die GEW-Frau: Schulen »dürfen nicht einseitig informieren«. Vielmehr sei es wichtig, dass auch »andere Partner wie Gewerkschaften oder Wohlfahrtsverbände« in den Schulen gleichgewichtig vertreten sind. Von derartigen Zusammenschlüssen jedoch ist wenig bekannt. Ein Grund ist klar: Sie bringen nicht das nötige Geld mit.
- Datum 16.06.2005 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 16.06.2005 Nr.25
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