rock Portrait eines Extrem-Sammlers
Uwe Blaschke sammelt seit Jahrzehnten Beatles-Memorabilia – eine der umfassendsten Sammlung in Europa, die der Glamour der sechziger Jahre eint
„Dabei habe ich fast 20 Jahre Beatles-Sammel-Pause gemacht, eine Familie gegründet, geheiratet.“ Zum Beatles-Experten wurde er erst später. „Die sechziger Jahre habe ich zwar erlebt, aber zu Beginn der sechziger Jahre war ich für die Beatles noch zu jung.“ In den Siebzigern hat Blaschke selbst Musik gemacht. An Virginia, eine der Bands, bei der er am Schlagzeug saß, wird sich außerhalb von Minden vermutlich kaum noch jemand erinnern. Im Vorprogramm von Eloy sind sie mal aufgetreten. Blaschke erzählt das nicht. Bei www.mucker-treff.de, dem „Online-Magazin für Musiker aus OWL & Schaumburg“, findet sich ein Eintrag – neben den „Herbies“, den „Angels“ oder den „Weird Western Wizzards“, längst vergessenen lokalen Helden. „Beim Proben haben wir manchmal Beatles-Songs gespielt und bemerkt wie komplex die Stücke der Fab Four sind“, sagt der Sammler mit einem Lächeln.
Für Uwe Blaschke, den gelernten Grafiker, war von Anfang vor allem die Warenseite und das Design, die Umsetzung diverser grafischer Elemente in den Fanartikeln, von Interesse. „Als ich ernsthaft angefangen haben Dinge von den Beatles zu sammeln, hatte ich eigentlich nur so Standard-Zeug: Bravo-Poster, Sammelbilder, etc.“ Ein Besuch im Kölner Beatles-Museum von Rainer Moers, selbst ein ausgewiesener Experte in Sachen Beatles (und Autor von „Die Beatles - Geschichte und Chronologie“), brachte die Wende. “Ich habe dort Sachen entdeckt, die etwas in mir ausgelöst haben.“ Rückblickend betrachtet ist es der Beginn einer Jahrzehnte umfassenden Sammelleidenschaft. Heute umfasst die Sammlung von Uwe Blaschke zwischen 500 und 600 Memorabilia-Teile. Schautafeln, Magazine, Kaugummi-Bildchen, Taschenmesser, Schuhe, Gläser, Haar-Pomade und viele handsignierte Originaldokumente. Es ist eine irrsinnige Ansammlung an höchst unterschiedlichen Fan-Artikeln, die der Glamour der sechziger Jahre eint.
Als Blaschke zu Beginn der achtziger Jahre intensiv mit dem Sammeln von Beatles-Objekten begann, war das noch ein wenig anders. „Ich kam in Kontakt mit anderen Sammlern und habe nach vielen Dingen in den USA Ausschau gehalten. „Rockaway Records“, ein Platten- und Memorabilialaden am Glendale Boulevard in Los Angeles, gilt bei Sammlern als eine dieser Adressen, wo unauffindbar geglaubte Fanartikel hin und wieder auftauchen. „Daneben habe ich viele Dinge bei Auktionshäusern in England erstanden“. Das Geheimnis dabei: „Am Tag nach der Auktion werden die Objekte, die nicht verkauft worden sind, zu einem Bruchteil des Preises angeboten, der im Rahmen der Auktion erzielt worden wäre.“ Blaschke hat sich auf diesem Wege nach und nach einen nicht unbeträchtlichen Teil seiner Sammlung zusammengekauft.
„Jede Unterschrift ist einmalig“, weiß Blaschke zu berichten; aber auch: „ein Großteil der Autogramme, die auf dem Markt angeboten werden, sind Fälschungen.“ Blaschke besonderes Interesse gilt der Frühphase der Beatles, den Jahren ’60 bis ’62, als die Beatles noch nicht den Status inne hatten, den sie danach erreichten. „Fälscher machen nicht das ’62-er Autogramm nach, sondern das von ’64“. Was für den Laien nur schwer zu erkennen ist, offenbart sich dem Sammler aus Minden auf den ersten Blick. Viele Zeitgenossen der Hamburger-Phase der Beatles hat er mittlerweile selbst kennen gelernt. Mit der Fotografin Astrid Kirchherr, die nicht unwesentlich am frühen Image der Pilzköpfe beteiligt war, ist er befreundet. Ringo Starr und McCartney hat er schon persönlich getroffen. „Nur kurz und nur zum Smalltalk“, wie der Sammler versichert. Träume hat aber auch er noch: „ein Beatles-Museum in Hamburg!“. Blaschke ist in Verhandlungen und vielleicht wird es in der deutschen Hansestadt, in der die Geschichte der Beatles ihren Anfang nahm, in naher Zukunft einige der Objekte aus seiner Sammlung dauerhaft zu sehen geben. Abwegig wäre das nicht. Noch aber ist die bislang umfassende Schau seiner Sammlung in Engen zu sehen. Noch einmal zieht er an seiner Zigarette, dann macht er sich auf den Weg. Es soll Rhabarberkuchen und Kaffee in einem altmodischen Café unweit des Museums geben. Blaschke verabschiedet sich mit einem Lächeln und einem kräftigen Händedruck. In einem anderen Leben muss er Türsteher gewesen sein. Seine Gestalt verliert sich auf der Straße. Ein Sammler aus Minden. Heute Abend wird er Beatles-Autogramme begutachten. Einige Fans werden enttäuscht nach Hause gehen: alles Fälschungen!
Infos: Die Sonderausstellung „Die Beatles kommen!“ im Städtischen Museum Engen und Galerie, Klostergasse 19, ist noch bis zum 24. Juli zu sehen. Öffnungszeiten: Di-Fr 14-17 Uhr; Sa 10-17 Uhr; So 10-20 Uhr. Führungen finden sonntags statt. Führungen für Gruppen nach Voranmeldung unter 07733/502-0;-211. Weitere Informationen zur Uwe Blaschke Collection unter www.BeatlesCollection.de.
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- Serie cvd
- Quelle (c) ZEIT.de, 17.06.2005
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