Autofahrer werden sich über die Höhenflüge der Rohöl- und Bezinpreise nicht freuen können: der Ölpreis hat sich am Montag der historischen Marke von 60 Dollar je Barrel (159 Liter) genähert. Im elektronischen Handel in New York stieg der Preis für die US-Sorte WTI zur Lieferung im Juli zeitweise auf 59,23 Dollar und markierte damit einen neuen Höchststand. Im weiteren Verlauf bröckelte der Preis auf 58,81 Dollar ab, blieb aber um 34 Cent über dem Schlusskurs vom Freitag. Alleine am Freitag war der US-Ölpreis um 1,89 Dollar gestiegen. In London kostete am Montag ein Barrel der Nordsee-Sorte Brent 57,82 Dollar und damit 95 Cent mehr als am Freitag.

Nach Einschätzung deutscher Wirtschaftsforschungsinstitute bremst der Höhenflug des Ölpreises das Wachstum in Deutschland. Die deutschen Autofahrer müssen nach Einschätzung des ADAC noch länger mit Rekordpreisen bei Benzin und Diesel leben. "Das wird auch künftig ein großes Thema bleiben, es ist nicht von einer maßgeblichen Entlastung auszugehen", sagte der ADAC-Referent für Verkehrspolitik, Jürgen Albrecht. Die bevorstehende Ferienzeit werde für die Mineralölkonzerne ein Anlass sein, nochmals eine Preisrunde extra zu fahren. Autozulieferer wie Bosch und ZF Friedrichshafen befürchten zudem belastende Einflüsse auf die Wirtschaft.

Der Preishochstand von 1,24 Euro pro Liter Superbenzin ist für Autofahrer eine starke Belastung. Vor allem für Branchen wie Kurierdienste und Taxiunternehmen ist die Entwicklung schmerzhaft.

Fachleute rechnen fest damit, dass der Ölpreis die Marke von 60 Dollar bei leichtem US-Öl überspringen wird. "Der Markt will die psychologisch wichtige Marke von 60 Dollar testen", sagte Rohstoffexperte Victor Shum von der amerikanischen Beratungsfirma Purvin and Gertz.

Nach Einschätzung des Hamburger Mineralölwirtschaftsverbands (MWV) treiben Spekulanten den Ölpreis auf neue Höhen. "Es gibt keine Rohölknappheit", sagte die Verbandssprecherin Barbara Meyer-Bukow. Die Rohöl-Lagerbestände seien international nicht so niedrig, als dass die Spekulationen gerechtfertigt seien.

Der Preisanstieg wird voraussichtlich auch die Wirtschaft der Bundesrepublik beeinflussen: Das Hamburger Welt-Wirtschafts-Archiv (HWWA) befürchtet, dass die Entwicklung an den Ölmärkten einen "dämpfenden Effekt" auf die hiesige Wirtschaft haben wird. Der nachgebende Eurokurs verstärke in Deutschland den negativen Ölpreiseffekt, sagte Rohstoff-Experte Eckhardt Wohlers. Gleichzeitig profitierten die Exporteure aber von dem etwas schwächeren Eurokurs. Klaus-Jürgen Gern vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) sagte, der steigende Ölpreis beeinflusse die Konjunktur, indem er die Kaufkraft der privaten Haushalte und die Gewinne der Unternehmen schmälere. Für die Industrieländer als Hauptverbraucher sei dies ein Faktor, der dämpfend wirke.