Ein gelb-roter Stahlkoloss in der Nordsee, daran Seile und Winden, mit denen Greenpeace-Aktivisten die schwimmende Ölplattform erkletterten: Das war die Brent Spar-Kampagne vor gut zehn Jahren. Die ausgediente Öllagerplattform sollte nach Ankündigung des Shell-Konzerns versenkt werden – ein Umweltskandal, der viele Greenpeace-Aktivisten mobilisierte.

Am 30. April 1995 besetzten Greenpeace-Aktivisten das "Nordseeungetüm" und wurden - an Seilen hängend - mit Fontänen aus Wasserkanonen beschossen. Die Bilder erregten Aufsehen. Nach sieben Wochen heftiger Auseinandersetzungen in der Nordsee, Verbraucher-Protesten ungeahnten Ausmaßes und massiver Unterstützung durch Politiker gab Shell am 20. Juni 1995 auf und verzichtete darauf, die 15.000 Tonnen schwere Stahlplattform in den Nordost-Atlantik zu schleppen und dort zu versenken. Sie wurde an Land zerlegt, heute dienen ihre Teile als Kaianlage bei Mekjarvik in Norwegen.

Zehn Jahre nach dem Spektakel stellten sich der Leiter der Presseabteilung der Deutschen Shell, Rainer Winzenried, und der Greenpeace-Kampaigner Karsten Smid einem Streitgespräch. Beide zogen Bilanz und sprachen über Perspektiven im Energiesektor.

Smid ist stolz auf die Auswirkungen der Brent Spar-Kampagne. Der Fall hatte die Bevölkerung mobilisiert und war der Auslöser für einen Erfolg, der sich erst drei Jahre danach einstellte: 1998 haben die Anrainerstaaten der Nordsee ein generelles Versenkungsverbot für ausgediente Öllager- und Verladeplattformen beschlossen.

Shell-Mann Winzenried weist dagegen ironisch darauf hin, dass der Abfall nun eben nicht ins Wasser, sondern in die Luft gejagt werde. Allerdings hat ein Gutachten bestätigt, dass die Entsorgung an Land und somit die Wiederverwertung des Stahls die weit umweltschonendere Lösung ist.

Die Aktion: Ein Erfolg für die Umwelt, aber auch ein Erfolg in der Kommunikation zwischen den Umweltaktivisten und den Großaktionären. Letztere haben ihre Unternehmensstrategie während der vergangenen zehn Jahre verändert und wehren sich dagegen, als Ölmultis bezeichnet zu werden. Denn Shell, so Winzenried, sei mehr als ein Ölkonzern, es sei nunmehr ein Energieunternehmen, das soziale Verantwortung übernommen habe – " Corporate Social Responsibility ", wie es in Unternehmerkreisen heißt.

Saubere Energie oder bloße PR?