Der Spaß ist nicht besonders teuer. Etwa 90Euro im Jahr kostet jeden Deutschen die Mitgliedschaft in der Europäischen Union. Reisen und Arbeiten ohne Grenzen sind im Preis inbegriffen, dauerhafter Frieden eine kostenlose Dreingabe. Der Club ist seinen Preis also wert, gäbe es da nicht ein kleines Problem. Ausgerechnet in dieser Woche soll der Beitrag erhöht werden, und dies, nachdem Franzosen und Niederländer gerade erst die EU-Verfassung abgelehnt haben. Hört da jemand nicht hin?

Die EU ist noch handlungsfähig – dieses Signal wollen die Regierungschefs auf ihrem Gipfel in Brüssel geben. Klingt gut, ist es aber nicht. Denn wenn die EU-Chefs den Haushalt 2007 bis 2013 so ähnlich verabschieden, wie es sich die Luxemburger Präsidentschaft wünscht, bekommen alle EU-Gegner weitere Argumente frei Haus geliefert. Schließlich stiege dann nicht nur der deutsche Beitrag. Es bliebe auch der unsägliche Agrarhaushalt unangetastet, und der würde weiterhin den Hunger in der Dritten Welt speisen. Bleibt das so, helfen den Afrikanern die schönen Schuldenerlasse wenig. Und Bonos Konzerte auch nicht.

Kluge Politiker würden eine neue, faire EU heute ganz anders mit Geld ausstatten. Wahrscheinlich käme die Agrarpolitik gar nicht vor. (Warum auch, die französischen Bauern haben gerade erst mit erdrückender Mehrheit gegen die EU gestimmt.) Es gäbe keinen Britenrabatt, hingegen einen Finanzausgleich zwischen armen und reichen Mitgliedern. Und daneben würden Forschung, Bildung, Wettbewerbsförderung und die gemeinsame Außenpolitik eigene Mittel bekommen.

Traumtänzerei, winken die Europaexperten ab. Die EU sei ein historisch gewachsenes Gebilde. Jede noch so unsinnige Ausgabe hatte folglich einen Sinn, befriedete und befriedigte immer neue Länder. Doch kann Europa nicht so weitermachen wie bisher, auch nicht beim Geldausgeben. Warum also nicht eine "Denkpause", wie sie Bundeskanzler Gerhard Schröder schon für die Verfassungsdebatte gefordert hat? Auch in einem Jahr können die Regierungschefs noch über die künftigen Finanzen entscheiden, ohne dass die Union komplett auseinander bricht. Dann würde sich möglicherweise zumindest die Bundesregierung nicht mehr an Versprechen gebunden fühlen, die Schröder einst seinem Männerfreund Jacques Chirac und der seinen Bauern gab. Europa ist nicht teuer. Aber für den altbekannten Unsinn ist es zu schade.