Gib einer Frau nie deine Kreditkarte in die Hand", witzeln Männer gern, und Kabarettisten spötteln, dass Frauen selbst mit verbundenen Augen in fremden Städten in der Lage sind, ohne Umwege den Prada-Laden anzusteuern. Das Geldausgeben scheint – glaubt man Männern – eine weibliche Kernkompetenz zu sein. Studien und Statistiken hingegen belegen, dass Frauen sehr wohl mit Geld umgehen können – besser sogar als Männer.

Sie erwirtschaften mit ihrem Geld mehr Gewinne, erleiden weniger Verluste und legen bewusster an als Männer. So verglich die Universität von Kalifornien 35.000 Depots und errechnete, dass Frauen im Schnitt 1,4 Prozent mehr Rendite erzielten, und bei einer Studie der DAB Bank lag das weibliche Geschlecht durchschnittlich sogar fünf Prozent im Plus. Von Frauen gemanagte Depots schnitten im Börsencrashjahr 2001 besser ab als der Deutsche Aktienindex, die von Männern deutlich schlechter. Ein Check des Finanzdienstleisters Union Investment ergab, dass Frauen vorsichtiger anlegen als Männer. Sie haben im Schnitt auch weniger Aktienanteile im Depot und schichten ihre Bestände seltener um.

Den Grund für die weibliche Vorsicht hat die US-Psychologin Kathleen Gurney ermittelt: "Männer identifizieren Geld mit Macht und Kontrolle. Sie streben nach Gewinnmehrung. Für Frauen dagegen bedeutet Geld Sicherheit und Autonomie." Das sieht Renate Schubert, die Nationalökonomie an der Universität Zürich lehrt, ähnlich: "Frauen haben meist weniger Geld zur Verfügung, das macht sie risikoscheuer. Zudem agieren Frauen vorsichtiger, wenn sie über wenige Informationen verfügen. Männer dagegen sind sehr von sich überzeugt. Sie glauben zu wissen, wie Finanzmärkte funktionieren, überschätzen sich oft und treffen falsche Anlageentscheidungen."

Dennoch stand bis 1953 sogar im Bürgerlichen Gesetzbuch: "Das Vermögen der Frau wird durch die Eheschließung der Verwaltung des Mannes unterworfen." Die Zeiten sind zwar längst vorbei, aber in der Rangliste des Weltwirtschaftsforums, die die Gleichverteilung ökonomischer Güter zwischen den Geschlechtern beurteilt, liegt die Bundesrepublik auf Platz 20 hinter den meisten EU-Staaten, aber auch Ländern wie Thailand, Simbabwe und Russland.

Während Frauen hierzulande nur über magere 8500 Euro Geldvermögen pro Kopf verfügen, sind es bei Männern satte 26.000 Euro, also dreimal so viel. Und da Frauen Wert auf Sicherheit legen, selbst wenn das Rendite kostet, tragen drei Viertel der Sparerinnen ihr Geld aufs Sparbuch.

"Das ist eine Marktlücke für Wettbewerber, definitiv", betont Kathrin Lumma von der Unternehmensberatung ZEB, die sich auf die Finanzbranche spezialisiert hat. Auch A.T. Kearney hat die Frau als spezielle Zielgruppe der angeschlagenen Bankenbranche entdeckt. Rund 18 Millionen weibliche Berufstätige, eine wachsende Zahl von derzeit einer Million Unternehmerinnen sowie künftiger Erbinnen haben deren Finanzexperten Heinrich Focke überzeugt: "Die Zielgruppe Frau gewinnt kontinuierlich an Bedeutung." Würden alle über 30-jährigen Frauen monatlich 55 Euro mehr ansparen, um ihre Rentenlücke zu schließen, rechnet die ZEB vor, würde ein zusätzliches Sparvolumen von vier Milliarden Euro auf die Banken zurollen. Damit müssten sich ein paar Euro mehr Umsatz machen lassen.

Feminisierte Anlagen sind ein Flop

Doch wie lockt man Frau vom Sparbuch weg? Die Fondsgesellschaft VMR hat es mit einem "Women’s World"-Fonds versucht. Er investierte in Boss, Dior und Escada, kurzum: "In Firmen, die Frauen kennen", und geriet zum Flop. Mangels Nachfrage stellte VMR den Fonds ein. Der Konkurrent DIT lehnt solche Spezialangebote ohnehin ab: "Hinter solchen Nischenprodukten sehen wir keinen Mehrwert. Wir suchen nach der besten Rendite aus, da unterscheidet sich das weibliche Produktbedürfnis nicht vom männlichen."