Finanzen Frauen pokern einfach besserSeite 2/2
Andere wie der Versicherer Gerling bewerben die »flexible Altersvorsorge für Frauen«, die aber streng genommen kein spezielles Frauenprodukt ist, sondern ein Normalprodukt mit neuem Namen. Und so flexibel ist das auch nicht: Bei Vertragsabschluss muss sich die Versicherte festlegen, dass sie fünf Jahre lang einzahlt und den Vertrag dann ruhen lässt, wenn sie schwanger wird. Aufstocken oder abbrechen – weil der Nachwuchs nicht so will wie der Vertrag – funktioniert nicht. Für solche weiblichen Sonderwünsche soll es vom nächsten Jahr an noch »einen ganz speziellen Frauentarif geben«, verspricht Gerling-Fachfrau Barbara Weihrauch, »es ist nur etwas schwierig, männliche Vorstände davon zu überzeugen.«
Weibliche Kunden auch. »Frauenfinanzprodukte sind der reinste Lady-Bluff. Anbieter tun so, als hätten sie ein feminines Produkt entwickelt, aber das einzig feminine ist die Verpackung«, regt sich Frauenfinanzberaterin Susanne Kazemieh auf. Aber eine Berufsunfähigkeitsversicherung, die auch Pause macht, wenn ihre Einzahlerin in Babypause geht, habe bisher keiner entwickelt, kritisiert sie: »Die meisten wollen mit SIE-Finanzprodukten nur abzocken und bedienen üble Klischees. Was Frauen wirklich brauchen, ist Beratung.«
Stimmt, sagt auch Ökonomin Schubert: Denn Frauen legen umso mutiger an, je mehr sie von der Finanzmaterie wissen. Für Bankberater, die zu 80 Prozent männlich sind, kommt das überraschend. Bei Männern gilt laut Schubert kurioserweise genau das Gegenteil: »Aus einem Spieltrieb heraus investieren sie umso gewagter, je schlechter sie sich auskennen. Je mehr Fakten man ihnen aufzeigt, desto risikoscheuer werden sie.« Das bestätigt auch Susanne Kazemieh. »Männer kommen mit konkreten Produktwünschen, und man sollte sie nicht davon abbringen, sonst ziehen sie sich in die Schmollecke zurück«, sagt Kazemieh, »Frauen kommen mit einer Vorstellung zu Anlagesumme und Zeitraum und sammeln erst mal Informationen«, sind also für die Verkäufer ungleich zeitraubender und arbeitsintensiver. Um selbst auf ihre Kosten zu kommen, empfehlen Berater gerne provisionsträchtige Standardprodukte. Was wiederum dazu führt, dass vier von fünf Frauen beklagen, dass sie sich von Banken und Beratern hochnäsig behandelt und schlecht beraten fühlen.
Klientinnen rennen Fachfrauen die Tür ein
Nur wenige Institute haben das Beratungsdefizit bisher realisiert. Die Commerzbank etwa oder die Weberbank, die UBS und die Volksbanken Österreich. Spezielle Frauenprodukte bieten sie nicht oder nicht mehr an. Aber Seminare und Workshops, damit Frauen Zeit in ihren Vermögensaufbau investieren. Unabhängige Beratung aus weiblicher Sicht leisten mittlerweile 50 spezialisierte Anlaufpunkte von Finanzfachfrauen. Einer der größten, die Frauenfinanzgruppe von Susanne Kazemieh, frohlockt, dass ihr die Klientinnen regelrecht die Beratungsräume einrennen. 6000 Kundinnen mit über 100 Millionen Euro Anlagesumme zählt die Hamburgerin. Die Münchner Kolleginnen nehmen gerade den zweiten Anlauf, als Frauenbank zugelassen zu werden, und arbeiten bis dahin weiter als Frauenvermögensverwaltung.
»So viel machen wir gar nicht anders, wir nehmen unsere Kundinnen einfach nur ernst und versuchen, das passende Haus zu ihrem Leben zu finden«, beschreibt Chefin Astrid Hastreiter ihre Geschäftsstrategie. Eines haben gute Berater gemeinsam, egal ob männlich oder weiblich: Sie raten nicht zu Sparbriefen, Lebens- oder Rentenversicherungen, sondern meist zu Investmentfonds. Die können Frauen aussetzen, aufstocken und ruhen lassen wie sie wollen. Flexibler ist kein anderes Produkt. Warum sich diese Strategie noch nicht zu allen Banken herumgesprochen hat? »Die meisten beraten nicht wie wir auf Honorarbasis«, betonen Kazemieh und Hastreiter, sondern auf Provisionsbasis. Sie kassieren für Abschlüsse, die sich fürs Kreditinstitut rechnen, allerdings nicht immer für den Kunden.
- Datum 16.06.2005 - 14:00 Uhr
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- Quelle (c) DIE ZEIT 16.06.2005 Nr.25
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