Sie haben den Fernstudiengang Scheidungsmanagement konzipiert. Was ist das?

Das Studium richtet sich an alle, die im Beruf mit Ehescheidungen zu tun haben, also an Richter, Anwälte, Jugendamtsmitarbeiter. Scheidungsmanagement integriert die Fähigkeiten der Mediation in den juristischen Prozess der Scheidung. Wenn ein Richter die Parteien dazu bringen kann, eine einvernehmliche Lösung zu finden, kann jeder aus der Scheidung als Gewinner hervorgehen.

Aber wer vor dem Scheidungsrichter steht, will doch seinen Konflikt gar nicht mehr lösen.

Es geht ja nicht unbedingt darum, eine kaputte Ehe zu retten. Ein Scheidungsmanager hilft den Betroffenen dabei, eine verantwortungsbewusste Entscheidung über den Zustand ihrer Ehe zu treffen. Und dann friedlich auseinander zu gehen.

Und wie soll ein Richter das erreichen?

Indem er im Gespräch die eigentlichen Bedürfnisse beider Parteien ans Licht bringt. Normalerweise macht das ein Mediator. Vereinfacht gesagt: Wenn ein Ehepaar darüber streitet, ob der Mann zu oft in die Kneipe geht oder nicht, geht es in Wahrheit um ganz andere Dinge. Der Jurist kann dem einen oder dem anderen Recht geben, damit hat er aber den Konflikt nicht gelöst. Der Mediator versucht, im Gespräch die wahren Interessen zu finden: Die Frau meint eigentlich, dass sie abends nicht gerne alleine ist. Der Mann dagegen braucht mehr soziale Kontakte zu anderen. Wenn das auf dem Tisch ist, findet sich viel leichter ein Kompromiss. Bei einer Scheidung kann man doch ähnlich vorgehen. Wenn ein Richter mehr wie ein Mediator auftritt, in einem Prozess, der sonst konfrontativ angelegt ist, könnten beide Parteien vielleicht eher zu einem vernünftigen Umgang miteinander finden.

Was haben Richter und Anwälte davon, sich um die Konfliktlösung ihrer Klienten zu bemühen?