Danuta Hübner hat in diesen Tagen wenig Freizeit. Die polnische EU-Kommissarin wacht über die europäische Regionalpolitik und damit über mehr als ein Drittel des europäischen Haushaltes. Ihr Topf ist heftig umkämpft, schließlich müssen die Mittel künftig nicht nur einigermaßen gerecht zwischen armen Regionen in Ost und West verteilt werden, sondern die Regierungschefs dürften im Kampf um den Hauhalt 2007 bis 2013 den Rotstift vor allem bei den Regional- und Strukturfonds anlegen. Die Ökonomin muss folglich überzeugend erklären, warum die finanzielle Umverteilung von reichen Staaten in arme Gegenden über Brüssel sinnvoll ist. Sie tut das mit Charme, Fleiß und Energie.

Es nütze schließlich allen, so wiederholt Frau Hübner bei ihren Besuchen in den entlegenen Winkeln Europas gern, wenn benachteiligte Regionen aufholten und das Wohlstandsgefälle in der Union sinke. Bei den dortigen Zuhörern kann sie sich dann in der Regel über einige Zustimmung freuen. Die EU-Programme zum Umbau von alten Industrieregionen oder zur Diversifizierung ländlicher Gebiete sind zwar unter Ökonomen umstritten - bei Regionalpolitikern hingegen sehr beliebt.

Ein Vorurteil hat die Polin bei ihren Reisen inzwischen ausgeräumt. Nun sitzt die Maus vor dem Speck, lästerten böse Zungen, als ihr der neue EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso im vergangenen Herbst die Regionalpolitik anvertraute. Inzwischen sind die Kritiker verstummt. Die 57-jährige Ökonomin, die einst für Polen den Beitritt in die EU aushandelte, kämpft nun ebenso hart für Mecklenburg-Vorpommern oder Andalusien wie für Lobuskie in Polen.